Motorrad - 5 Sportreifen in 120/70 ZR 17 und 190/55 ZR 17 im Alltags-, Nässe- und Verschleißtest Testsieger
5 Sportreifen in 120/70 ZR 17 und 190/55 ZR 17 im Alltags-, Nässe- und Verschleißtest im Test-Vergleich von Motorrad
08/2026 - Motorrad
Inhaltsverzeichnis
- Multikulti-Gummis – die Revolution der Alleskönner?
- Was wurde getestet – und warum ist diese Kategorie so relevant?
- Testmethodik: Wie objektiv ist der Vergleich?
- Trockentest: Wer dominiert auf Asphalt?
- Nasstest: Wo trennt sich die Spreu vom Weizen?
- Charakterunterschiede: Warum fühlt sich jeder Reifen anders an?
- Offroad-Kompetenz: Nur Marketing oder echter Mehrwert?
- Gesamtwertung: Wer gewinnt den Vergleich?
Multikulti-Gummis – die Revolution der Alleskönner?
In der Welt moderner Reiseenduros verschwimmen die Grenzen immer stärker. Asphalt, Schotter, Nässe, Alltag – alles soll ein Reifen gleichzeitig beherrschen. Genau hier setzt der Reifentest 2026 des MOTORRAD Magazins an. Im dritten Teil der Serie stehen sogenannte 90/10-Reifen im Fokus: Modelle, die klar straßenorientiert sind, aber dennoch eine gewisse Offroad-Kompetenz mitbringen. Der Begriff „Multikulti-Gummis“ beschreibt diese Kategorie treffend – und wirft zugleich die Frage auf, ob diese Reifenklasse tatsächlich eine Revolution darstellt oder eher ein Kompromiss bleibt.
Was wurde getestet – und warum ist diese Kategorie so relevant?
Die getesteten Dimensionen 120/70 R19 vorne und 170/60 R17 hinten sind typisch für große Reiseenduros der GS-Klasse. Diese Motorräder dominieren seit Jahren den Markt und stellen besondere Anforderungen an die Bereifung. Fahrer erwarten Stabilität auf der Landstraße, Sicherheit bei Nässe und zumindest grundlegende Fähigkeiten auf losem Untergrund. Die Kategorie der 90/10-Reifen ist dabei besonders spannend, weil sie den Spagat zwischen Alltag und Abenteuer schaffen soll. Anders als reine Straßenreifen oder grobstollige Offroad-Pneus zielen sie auf ein breites Einsatzspektrum. Genau diese Vielseitigkeit macht sie für viele Fahrer attraktiv – und gleichzeitig schwierig zu perfektionieren.
Testmethodik: Wie objektiv ist der Vergleich?
Der Test folgt einem klar strukturierten Aufbau mit Trocken- und Nassprüfungen. Auf abgesperrten Teststrecken werden Kriterien wie Handlichkeit, Kurvenstabilität, Haftung und Rückmeldung bewertet. Ergänzt wird dies durch Messdaten zu Bremsverhalten, Geschwindigkeit und Schräglagenwinkel. Besonders interessant ist der sogenannte Referenzbereich im Nässetest. Hier wird das Verhalten der Reifen unter konstanten Bedingungen analysiert, um Unterschiede in Haftung und Feedback präzise herauszuarbeiten. Dieses Vorgehen sorgt für eine hohe Vergleichbarkeit und zeigt, wie nah die Kandidaten tatsächlich beieinanderliegen.
Trockentest: Wer dominiert auf Asphalt?
Auf trockener Strecke zeigt sich ein insgesamt hohes Niveau. Nahezu alle getesteten Reifen liefern überzeugende Leistungen, insbesondere in den klassischen Disziplinen wie Kurvenstabilität und Handling. Dennoch kristallisieren sich Unterschiede heraus. Der Dunlop Mutant setzt sich an die Spitze und überzeugt durch präzise Rückmeldung und hohe Stabilität. Besonders bei sportlicher Fahrweise spielt er seine Stärken aus und vermittelt ein sehr direktes Fahrgefühl. Der Michelin Anakee Road folgt dicht dahinter und punktet mit ausgewogener Performance sowie neutralem Einlenkverhalten. Auch der Bridgestone A41 zeigt eine solide Leistung, wirkt jedoch in extremen Schräglagen etwas weniger transparent. Der Mitas Terra Force R überrascht positiv mit stabiler Performance, während der Eurogrip Trailhound STR in einigen Disziplinen leichte Schwächen offenbart.
Nasstest: Wo trennt sich die Spreu vom Weizen?
Sobald Wasser ins Spiel kommt, verändert sich das Bild deutlich. Der Nasstest gilt als Königsdisziplin, da hier Vertrauen und Haftung entscheidend sind. Genau hier zeigt sich, wie gut ein Reifen wirklich ist. Der Dunlop Mutant baut seine Spitzenposition weiter aus und bietet die beste Kombination aus Grip und Rückmeldung. Besonders im Referenzbereich überzeugt er mit stabilen Haftungswerten und klarer Kommunikation mit dem Fahrer. Diese Eigenschaften schaffen Vertrauen – ein entscheidender Faktor bei schwierigen Bedingungen. Der Michelin Anakee Road bleibt ebenfalls stark und bietet ein sehr sicheres Fahrgefühl. Der Bridgestone A41 liefert ordentliche Ergebnisse, zeigt jedoch leichte Schwächen bei starker Beschleunigung. Der Mitas Terra Force R bleibt solide, während der Eurogrip Trailhound STR im Nassen deutlicher abfällt und insbesondere bei Rückmeldung und Haftung hinter der Konkurrenz zurückbleibt.
Charakterunterschiede: Warum fühlt sich jeder Reifen anders an?
Ein zentrales Ergebnis des Tests liegt in den feinen, aber entscheidenden Unterschieden im Fahrverhalten. Während einige Reifen auf maximale Stabilität ausgelegt sind, setzen andere auf Agilität oder Komfort. Der Dunlop Mutant wirkt fast wie ein Sportreifen im Adventure-Format – direkt, präzise und stabil. Der Michelin Anakee Road hingegen präsentiert sich als ausgewogener Allrounder mit hoher Alltagstauglichkeit. Der Bridgestone A41 zeigt klassische Tourenqualitäten, während der Mitas Terra Force R mit gutmütigem Verhalten überzeugt. Diese Unterschiede sind entscheidend, da sie den Charakter des Motorrads spürbar beeinflussen. Für den Fahrer entsteht ein immersiv wahrnehmbares Erlebnis, das weit über reine Messwerte hinausgeht.
Offroad-Kompetenz: Nur Marketing oder echter Mehrwert?
Obwohl der Fokus klar auf der Straße liegt, bleibt die Frage nach der Offroad-Tauglichkeit relevant. Die getesteten Reifen bieten zwar grundlegende Fähigkeiten auf Schotter, doch echte Geländeperformance ist nicht ihr Ziel. Hier zeigt sich, dass die 90/10-Kategorie tatsächlich ein Kompromiss ist. Für gelegentliche Abstecher abseits befestigter Wege reicht die Performance aus. Wer jedoch regelmäßig im Gelände unterwegs ist, wird mit spezialisierten Reifen besser bedient sein.
Gesamtwertung: Wer gewinnt den Vergleich?
In der Endwertung setzt sich der Dunlop Mutant knapp vor dem Michelin Anakee Road durch. Beide Reifen erreichen ein sehr hohes Niveau und zeigen, wie weit die Entwicklung in diesem Segment fortgeschritten ist. Der Bridgestone A41 und der Mitas Terra Force R folgen mit soliden Ergebnissen, während der Eurogrip Trailhound STR etwas zurückfällt. Auffällig ist, wie eng das Feld insgesamt zusammenliegt. Die Unterschiede sind oft marginal und zeigen sich vor allem in spezifischen Situationen. Genau das macht die Wahl des richtigen Reifens so individuell.