Spiegel Tests - 3 Nakiri-Messer Testsieger

3 Nakiri-Messer im Test-Vergleich von Spiegel Tests

Spiegel Tests

06/2025 - Spiegel Tests

Wie gut schneiden Nakiri-Messer wirklich?

In der Welt der japanischen Küche hat das Nakiri-Messer einen festen Platz: Es gilt als das Werkzeug der Wahl für präzises Schneiden von Obst, Gemüse und Kräutern. Seine Besonderheit liegt in der flachen, rechteckigen Klinge, die beim sogenannten Schiebe- und Stoßschnitt für saubere, dünne Scheiben sorgt – ideal für empfindliches Schnittgut wie Tomaten oder Kräuter. SPIEGEL.de hat drei aktuelle Modelle verschiedener Hersteller getestet und dabei nicht nur auf Schärfe, sondern auch auf Handhabung, Ergonomie und Materialqualität geachtet. Das Ergebnis: Überraschungen, Nachbesserungsbedarf – und ein klarer Testsieger.

Was macht ein gutes Nakiri-Messer aus?

Nakiri-Messer unterscheiden sich grundlegend von den in Europa üblichen Kochmessern. Ihre Stärke liegt nicht in der „Wiegetechnik“, sondern im geraden, kontrollierten Schnitt entlang der waagerecht geführten Klinge. Entscheidend sind dabei drei Aspekte: Schärfe, Stahlqualität und Ergonomie. Während japanische Originale oft mit aufwendig gefaltetem Damaststahl gefertigt werden, setzen europäische Hersteller auf bewährte rostfreie Legierungen mit moderater Härte. Diese beeinflusst, wie lange ein Messer scharf bleibt – und wie häufig es nachgeschliffen werden muss.

Wie wurde getestet?

SPIEGEL.de, vertreten durch den erfahrenen Foodjournalisten Peter Wagner, testete drei verschiedene Nakiri-Messer unter realistischen Küchenbedingungen. Im Fokus standen der sogenannte Tomatentest – ein Schneidversuch ohne Druck – sowie Langzeiteinsatz, Ergonomie und Materialverarbeitung. Alle Messer wurden im Auslieferungszustand und nach professionellem Nachschärfen bewertet.

Welche Messer standen im Test?

Im Test vertreten waren:

  • Rösle Wolfgrey Nakiri: Ein robustes, vergleichsweise günstiges Modell aus deutscher Produktion mit 271 Gramm Gewicht, glatter Klinge und mittlerer Stahlhärte.
  • Wüsthof Classic Ikon Nakiri: Der Premium-Vertreter aus Solingen mit hohem Schärfepotenzial, fein geschliffener Klinge und gutem Finish.
  • HexClad Nakiri: Ein Designstück aus den USA mit japanischer Damastoptik und viel Potenzial – allerdings erst nach professionellem Nachschärfen.

Warum überzeugen nicht alle Messer sofort?

Ein zentrales Problem vieler Nakiri-Modelle im Alltag ist die unzureichende Schärfe im Auslieferungszustand. Beim Rösle fiel im Test auf, dass es trotz guter Balance und angenehmem Griff den Tomatentest zunächst nicht bestand. Erst nach sorgfältigem Nachschärfen war es für seine eigentliche Aufgabe brauchbar – allerdings musste es im Alltag häufiger nachgeschärft werden als die Konkurrenz. Auch das HexClad, mit hochwertigem AUS-10-Stahl und 67-lagigem Damastdesign, kam laut Test „nahezu stumpf“ aus der Verpackung. Mit entsprechendem Equipment ließ sich daraus jedoch eine extrem scharfe Klinge formen – und diese hielt sogar tagelang.

Wer lieferte sofort überzeugende Ergebnisse?

Klare Empfehlung: das Wüsthof Classic Ikon Nakiri. Es kam mit einer bereits werkseitig sehr scharfen 10-Grad-Schneide, die den Tomatentest problemlos bestand. Die Verarbeitung, das Finish der Klinge, die Kullen zur Reduktion der Adhäsion sowie die Balance überzeugten im Test. Kleinere Kritikpunkte betrafen den Griff, der für sehr große Hände etwas schmal sein könnte, und die Tatsache, dass man mit dem Rücken der Klinge schlecht Schnittgut vom Brett schieben kann. Dennoch: Das Messer war das ausgewogenste im Test.

Was sagt der Test über Preis und Leistung?

Die getesteten Messer bewegen sich preislich zwischen rund 60 und 130 Euro. Das Rösle ist das günstigste Modell und eignet sich für Gelegenheitsnutzer mit Nachschärf-Erfahrung. Das HexClad ist mit über 100 Euro nicht nur das optisch auffälligste, sondern auch das mit dem höchsten Potenzial – sofern man es nachschärfen kann. Das Wüsthof liefert für seinen höheren Preis direkt solide Ergebnisse ohne zusätzlichen Aufwand. Die Preisunterschiede spiegeln sich also durchaus in der Performance wider.

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