RoadBIKE - 10 TPU-Schläuche Testsieger

10 TPU-Schläuche im Test-Vergleich von RoadBIKE

RoadBIKE

07/2025 - RoadBIKE

Was macht TPU-Schläuche so interessant?

Wer bislang mit klassischem Butylschlauch unterwegs war, aber kein Freund von Tubeless-Systemen ist, dürfte im TPU-Schlauch eine attraktive Alternative finden. Denn das Material – thermoplastisches Polyurethan – verbindet laut ROADBIKE-Redaktion die Vorteile beider Welten: Es ist deutlich leichter als Butyl, dabei pannensicherer als gedacht und ermöglicht ein klassisches Schlauch-Setup mit fast tubeless-ähnlicher Performance.

Im aktuellen Test (Ausgabe 08/2025) hat ROADBIKE neun aktuelle TPU-Modelle unter die Lupe genommen, darunter sowohl Allround-Schläuche als auch spezielle „Disc only“-Varianten. Zum Vergleich wurde auch ein klassischer Butylschlauch mitgetestet. Das Ziel: eine objektive Bewertung der Praxistauglichkeit, verbunden mit Laborwerten zu Rollwiderstand, Gewicht und Pannenschutz.

Was ist TPU eigentlich?

TPU steht für thermoplastisches Polyurethan – ein Werkstoff, der elastisch und gleichzeitig sehr robust ist. Er wird unter anderem für Schuhsohlen, flexible Schläuche oder Kabelummantelungen verwendet. Für den Einsatz am Fahrrad bietet TPU gleich mehrere Vorteile: Es ist leicht, reißfest, UV-beständig und – was zunehmend an Bedeutung gewinnt – recyclebar.

Diese Eigenschaften machen den Werkstoff gerade für Radschläuche so attraktiv: Sie lassen sich auf ein Minimum an Material reduzieren, ohne dabei komplett auf Sicherheit verzichten zu müssen. Einige Hersteller bieten inzwischen Rücknahmesysteme oder Flicken-Sets für TPU-Schläuche an – ein Schritt in Richtung nachhaltiger Nutzung.

Was wurde im ROADBIKE-Test untersucht?

Die Redaktion testete neun TPU-Schläuche auf vier zentralen Kriterien:

  • Rollwiderstand: Gemessen auf einem Prüfstand bei 30 km/h, mit konstantem Druck (6,0 bar) und gleichem Reifen.
  • Pannenschutz: Getestet durch maschinelles Durchstechen mit spitzer und stumpfer Klinge.
  • Gewicht: Ermittelt über den Mittelwert von vier identischen Schläuchen pro Modell – ohne Endkappen.
  • Montagefreundlichkeit: Bewertet nach Aufwand, Rutschverhalten, Formstabilität und Fehleranfälligkeit beim Einbau.

Zusätzlich wurde die Freigabe für Felgenbremsen berücksichtigt, da nicht alle TPU-Schläuche die beim Bremsen entstehende Hitze aushalten. Das ist ein sicherheitsrelevanter Aspekt, der laut ROADBIKE bei manchen Herstellern nicht klar genug auf der Verpackung ausgewiesen ist.

Was sind „Disc only“-Schläuche – und worin liegt der Unterschied?

Ein Teil des Testfelds besteht aus sogenannten „Disc only“-Modellen. Diese besonders leichten Schläuche sind nur für den Einsatz mit Scheibenbremsen zugelassen. Der Grund: Bei Felgenbremsen entsteht an der Felge deutlich mehr Hitze – und TPU reagiert empfindlicher als Butyl. Disc-only-Modelle holen beim Gewicht und Rollwiderstand die Bestwerte, schneiden aber beim Pannenschutz oft schlechter ab.

Wer also auf lange Haltbarkeit und Sicherheit setzt, sollte lieber zu einem TPU-Allrounder greifen. Diese wiegen meist zwischen 40 und 52 Gramm – immer noch deutlich weniger als ein Butylschlauch, der im Test 108 Gramm auf die Waage brachte.

Wie schneiden die TPU-Schläuche im Vergleich zu Butyl ab?

Zwar bleibt Butyl weiterhin eine robuste und einfach handhabbare Lösung, doch in fast allen Testdisziplinen zeigt sich TPU als überlegen – außer beim Pannenschutz. Hier konnte der Butylschlauch von Schwalbe überraschend gleich fünf TPU-Modelle hinter sich lassen.

Ein klarer Testsieger ist der „NXT Piuma Road 65“ von Barbieri: Als Disc only-Modell vereint er sehr geringes Gewicht mit ordentlichem Pannenschutz – eine Kombination, die im Testfeld selten ist. Auch Barbieris „NXT Road 65“ (Allrounder) überzeugte mit Bestwerten beim Rollwiderstand. Aufs Podium schafften es außerdem Schwalbe mit dem neuen Aerothan 2.0 und Revoloop mit dem Revo.Race.

Welche Erkenntnisse lassen sich aus dem Test ableiten?

Die wichtigste Schlussfolgerung: TPU ist kein Wundermaterial, das automatisch in jeder Disziplin Bestwerte liefert. Besonders beim Pannenschutz haben extrem leichte Modelle Schwächen. Wer auf einen Kompromiss aus Geschwindigkeit, Komfort und Sicherheit setzt, sollte zu den etwas schwereren Allround-Modellen greifen.

Darüber hinaus zeigte der Test:

  • Gewichtsvorteile sind signifikant: Selbst die schwersten TPU-Schläuche wiegen nur die Hälfte eines Butylmodells.
  • Rollwiderstand ist bei allen TPU-Kandidaten niedriger als bei Butyl.
  • Montage ist oft schwieriger als bei klassischen Schläuchen. Die glatte Oberfläche, das dünne Material und empfindliche Ventilansätze verlangen Sorgfalt.
  • Passform ist kritischer als bei Butyl: Zu große Reifen oder zu enge Felgen können TPU-Materialien beschädigen. Unbedingt auf die vom Hersteller angegebene Kompatibilität achten.

Wie sieht es mit der Alltagstauglichkeit von TPU-Fahrradschläuchen aus?

Auch in der Praxis zeigen sich Unterschiede. Einige TPU-Schläuche lassen sich vergleichsweise leicht montieren und bieten in Kombination mit einem Faltreifen ein fast Tubeless-ähnliches Fahrgefühl – ohne die Nachteile wie Dichtmilch oder Kompressor-Einsatz. Für Pannenfälle unterwegs ist jedoch Vorsicht geboten: Nicht jeder Schlauch lässt sich unterwegs so problemlos flicken wie Butyl, und Ersatz-Tubes müssen oft mit etwas mehr Sorgfalt eingebaut werden.

Ein Vorteil ist der geringe Platzbedarf: TPU-Schläuche lassen sich sehr kompakt falten und passen selbst in kleine Satteltaschen – was gerade bei Langstreckenfahrten oder Radmarathons ein praktisches Detail ist.

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