Öko-Test - Lipgloss Testsieger

Lipgloss im Test-Vergleich von Öko-Test

Öko-Test

04/2025 - Öko-Test

Was steckt hinter dem Test von Ökotest zu Titandioxid in Lipgloss?

Der Test des Magazins Ökotest zu Titandioxid in Lipgloss bringt eine Frage in den Fokus, die viele Verbraucher bislang nicht auf dem Schirm hatten: Wie sicher ist Lippenkosmetik, wenn sie Pigmente wie Titandioxid enthält, die potenziell problematisch sein könnten? In seiner Ausgabe 4/2025 hat Ökotest insgesamt 15 rosarote Lipglosse unter die Lupe genommen und untersucht, ob und in welcher Form das umstrittene Farbpigment verwendet wird. Das Ergebnis ist eindeutig – und ernüchternd.

Fast alle getesteten Produkte setzen weiterhin auf Titandioxid, auch in Naturkosmetik. Lediglich der Catrice Max It Up Lip Booster Extreme in der Farbe 040 Glow On Me verzichtet darauf. Für Ökotest ein klares Signal: Hersteller tun sich schwer, auf diesen Rohstoff zu verzichten – trotz bekannter Risiken.

Warum ist Titandioxid in Lipgloss überhaupt ein Thema?

Titandioxid, oft als CI 77891 in der Inhaltsstoffliste ausgewiesen, ist ein weit verbreitetes Pigment in Kosmetika. Es sorgt für Deckkraft, Helligkeit und Farbbrillanz. Doch der Stoff steht seit Jahren in der Kritik. Schon 2022 wurde er als Zusatzstoff E171 in Lebensmitteln von der EU verboten, weil laut Europäischer Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine erbgutschädigende Wirkung nicht mehr ausgeschlossen werden konnte – zumindest bei oraler Aufnahme. Die gleiche Diskussion betrifft nun auch Kosmetikprodukte, die über den Mund aufgenommen werden könnten, wie Lipgloss oder Zahnpasta.

Die EU-Kommission und der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (SCCS) haben sich 2024 erneut mit Titandioxid befasst und betont, dass für fast alle Qualitäten von Titandioxid die genotoxische Wirkung weiterhin nicht ausgeschlossen werden kann. Das Problem: Lippenkosmetik wird oft unbewusst verschluckt, beim Ablecken der Lippen oder Nachlegen des Glosses. In Mengen von bis zu 57 Milligramm pro Tag, so eine frühere Schätzung des SCCS. Auch Nano-Partikel in Lipgloss sind kritisch – fünf der getesteten Produkte enthielten überwiegend nanoförmiges Titandioxid, ohne dies korrekt auf der Verpackung auszuweisen. Laut Gesetz müssten solche Partikel jedoch als „nano“ deklariert werden.

Wie reagiert die Branche auf die Kritik?

Das Magazin hat die Hersteller der getesteten Lipglosse befragt. Das Ergebnis zeigt: Die Industrie bewegt sich nur zögerlich. Nur ein Unternehmen kündigte an, Titandioxid in Zukunft ersetzen zu wollen. Die meisten Hersteller hingegen wollen das Pigment beibehalten – es sei denn, Gesetzgeber oder Kunden fordern eine Änderung. In der Zahnpflegebranche hat der Druck von Verbrauchern bereits zu mehr Rezepturanpassungen geführt. Ob sich dieser Trend auch auf die dekorative Kosmetik auswirkt, bleibt abzuwarten.

Ökotest betont in seinem Test, dass es zwar keinen akuten gesetzlichen Zwang gibt, auf Titandioxid zu verzichten, aber die Diskussion um mögliche Gesundheitsrisiken sollte nicht unterschätzt werden. Die Experten fordern mehr Forschung, mehr Transparenz – und ein Umdenken der Hersteller. Der Test zeigt klar: Nur der Catrice Lipgloss ist derzeit titandioxidfrei. Alle anderen Produkte setzen weiter auf den problematischen Stoff.

Was bedeutet das für Verbraucher?

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet der Test: Wer Titandioxid meiden will, muss genau hinsehen. Das Pigment versteckt sich hinter dem Code CI 77891 – und ist in fast allen Lipglossen enthalten, egal ob konventionell oder Naturkosmetik. Die vollständige Inhaltsstoffliste muss übrigens nicht immer auf der Verpackung stehen. Wer sichergehen will, sollte direkt beim Hersteller nachfragen.

Ökotest hebt hervor, dass Lipgloss ein typisches Beispiel für Produkte ist, die oft und unbewusst verschluckt werden – und deshalb sorgfältig bewertet werden müssen. Gerade weil die Forschung noch keine abschließende Sicherheit bieten kann, empfiehlt Ökotest, bei Lippenprodukten auf Titandioxid möglichst zu verzichten. Das sei auch ohne weiteres möglich, wie das titandioxidfreie Produkt im Test zeigt.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Diskussion um Titandioxid bleibt aktuell. Ökotest verweist auf die jüngsten Stellungnahmen des SCCS und die Ankündigung der EU-Kommission, bald erneut über mögliche Regulierungen zu beraten. Ein generelles Verbot in Kosmetik gibt es bislang nicht, doch der Druck steigt. Verbraucher können hier mit ihrer Kaufentscheidung ein Signal setzen: Wer auf Produkte ohne Titandioxid setzt, kann einen Beitrag dazu leisten, dass Hersteller umdenken.

Der Test zeigt: Es braucht mehr Aufmerksamkeit für Inhaltsstoffe in Kosmetik – und mehr Bereitschaft der Industrie, bekannte Risiken ernst zu nehmen. Die Frage bleibt offen: Wann wird Titandioxid aus Lippenprodukten verschwinden – bevor der Gesetzgeber eingreift oder erst danach?

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