CT Magazin - 2 E-Ink-Tablets Testsieger
2 E-Ink-Tablets im Test-Vergleich von CT Magazin
In diesem Vergleich wurden getestet:
15/2025 - CT Magazin
Inhaltsverzeichnis
Wozu überhaupt E-Ink-Tablets in Postkartengröße?
Unter Acht-Zoll-Geräten dominieren klassische E-Book-Reader. Wer Notizen mit dem Stift anfertigen wollte, musste bislang zu schwereren Zehn-Zöllern greifen. Genau diese Lücke hat die Redaktion von c’t mit einem Vergleichstest geschlossen: Das Boox Go 7 (7 Zoll) und das Supernote A6X2 Nomad (7,8 Zoll) versprechen Lese- und Schreibkomfort in Reiseformat.
Wie hat c’t die Kandidaten geprüft?
Im Labor und im Alltagseinsatz protokollierte c’t drei Schwerpunkte: Handhabung als Lesegerät, Schreibgefühl mit dem jeweiligen Stift und Funktionsumfang des Betriebssystems. Ergänzend wurden Akku-Laufzeit, Gewicht und Cloud-Synchronisation beobachtet. Alle Messungen erfolgten auf identischen Firmware-Ständen, damit sich Unterschiede nicht hinter Software-Versionen verstecken.
Was zeigte sich beim Schreiben?
Hier trennen sich die Wege deutlich. Das Supernote stattet sein Display mit einer weichen Schutzfolie aus und kombiniert sie mit einer Keramikspitze. Dadurch fühlt sich das Schreiben fast wie auf Papier an; selbst feine Linien landen sauber auf dem Bildschirm. Auf dem Boox liegt eine glatte E-Ink-Fläche, gegen die der Kunststoffstift kaum Reibung hat. Für schnelle Annotationen reicht das, für dichte Mitschriften oder Skizzen gerät man rasch an Grenzen, zumal die Eingabe etwas verzögert wirkt.
Welche Rolle spielt das Betriebssystem?
Beide Tablets laufen auf Android, doch Offenheit und Tempo unterscheiden sich. Beim Boox ist der Google-Play-Store vorinstalliert, wodurch sich Zusatz-Apps – etwa alternative Reader oder Cloud-Dienste – leicht nachrüsten lassen. Der Bildschirm kann dafür in einen schnelleren, leicht kontrastärmeren Modus schalten, sodass Nachrichten- oder Magazin-Apps flüssig genug scrollen. Das Supernote verfolgt das Gegenteil: Oberfläche und Funktionsumfang sind bewusst reduziert, Sideloading muss man per Schalter freigeben – und selbst dann bremsen die langsamen Bildwechsel viele Android-Apps aus. Dafür bleibt das System übersichtlich; Mail-, Kalender- und Notiz-App arbeiten eng mit der herstellereigenen Cloud und den großen Diensten von Google, Microsoft und Dropbox zusammen.
Wie wirkt sich die Hardware auf den Lesebetrieb aus?
Das Boox bringt eine Hintergrundbeleuchtung mit und erlaubt damit auch nächtliches Lesen, während das Supernote ganz auf Umgebungslicht setzt. Beim Gewicht liegen 195 Gramm (Boox) und 266 Gramm (Supernote) beide im Bereich eines Taschenbuchs, doch die raue Rückseite des Boox sorgt für mehr Griffigkeit. Umgekehrt spendiert Supernote einen verschraubten, reparaturfreundlichen Aufbau samt optional transparenter Rückseite – ein Detail, das im Reader-Sektor Seltenheitswert hat.
Welches Gerät empfiehlt c’t am Ende?
Die Redaktion von c’t kommt nach ihrem Praxistest zu einer differenzierten Empfehlung. Wer in erster Linie liest, gelegentlich markiert und vor allem Android-Apps nutzen möchte, wird mit dem Boox Go 7 glücklich. Der beleuchtete Bildschirm, das geringe Gewicht und die offene App-Welt machen es zum vielseitigen Mini-Reader, auch wenn das Schreibgefühl hinter Spezialtablets zurückbleibt.
Anders das Supernote A6X2 Nomad: Hier steht der Stift im Mittelpunkt. Wer handschriftlich arbeitet, Zeichnungen anfertigt oder präzise Notizen archivieren möchte, bekommt aktuell kein besseres Schreibgefühl in diesem Format. Dafür muss man auf Beleuchtung verzichten, mehr Geld einplanen und mit einer bewusst geschlossenen Softwareumgebung leben.
c’t hebt damit hervor, dass es nicht das eine perfekte Kompakt-E-Ink-Tablet gibt. Entscheidend ist, ob Lesen oder Schreiben im Vordergrund steht. Im Zweifel lohnt ein Probehandschriftzug auf beiden Geräten – dann zeigt sich rasch, welches Konzept besser zum eigenen Alltag passt. Zwei Erkenntnisse bringt der Test aber in jedem Fall: Kompakte Reader können inzwischen mehr als Blättern, und wer digitale Notizbücher schätzt, muss nicht länger zum sperrigen Zehn-Zöller greifen.