Öko-Test - 50 Mineralöl in Speiseöl Testsieger
50 Mineralöl in Speiseöl im Test-Vergleich von Öko-Test
In diesem Vergleich wurden getestet:
07/2025 - Öko-Test
Inhaltsverzeichnis
Was steckt hinter der Mineralölbelastung in Speiseölen?
Mineralöl in Lebensmitteln – das klingt wie ein altbekanntes Problem. Und tatsächlich beschäftigen sich Verbraucherschützer seit über einem Jahrzehnt mit diesem Thema. Doch der neue Test von ÖKO-TEST, veröffentlicht im Magazin 7/2025, zeigt: Die Problematik ist noch lange nicht vom Tisch. In einer umfangreichen Untersuchung hat das Testmagazin 50 verschiedene Speiseöle auf Rückstände von Mineralölbestandteilen prüfen lassen – mit teils alarmierenden Ergebnissen. Ganze 31 Produkte fielen durch, elf wiesen sogar besonders bedenkliche Bestandteile auf.
Was bedeutet das für Verbraucherinnen und Verbraucher? Wie gefährlich sind diese Stoffe eigentlich? Und warum fehlen trotz langjähriger Diskussion immer noch verbindliche gesetzliche Regelungen?
Warum ist Mineralöl im Essen ein Problem?
Mineralölbestandteile gelangen über verschiedene Wege in Lebensmittel. Bei Speiseölen können etwa Schmieröle aus der Produktion, Verpackungsmaterialien oder kontaminierte Rohstoffe die Ursache sein. Die Belastungen, die dabei entstehen, unterteilen sich in zwei Gruppen: MOSH und MOAH. Während MOSH (gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe) sich vor allem im menschlichen Körper anreichern und dort langfristig verbleiben, gelten MOAH (aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe) als besonders gefährlich – einige Vertreter dieser Stoffgruppe sind eindeutig krebserregend.
Der menschliche Körper kann diese Substanzen nicht abbauen. Welche konkreten gesundheitlichen Schäden durch eine dauerhafte Aufnahme entstehen, ist noch nicht vollständig erforscht. Trotzdem ist sich die Wissenschaft einig: Diese Rückstände gehören nicht in Lebensmittel.
Wie wurde getestet?
Der Test von ÖKO-TEST konzentrierte sich bewusst nicht auf die üblichen Verdächtigen wie Oliven- oder Sonnenblumenöl, sondern auf weniger verbreitete Sorten: Walnuss-, Sesam-, Hanf-, Kürbiskern- und Erdnussöle. Für die Auswahl wurden sowohl konventionelle als auch Bio-Produkte berücksichtigt, kalt gepresste und raffinierte Varianten. Die Analyse beschränkte sich ausschließlich auf Mineralölrückstände – andere Qualitätskriterien spielten in diesem Test keine Rolle.
Die Preisunterschiede unter den getesteten Produkten waren dabei enorm. Manche Öle kosteten gerade einmal 55 Cent pro 100 Milliliter, andere fast sieben Euro. Doch mit dem Preis stieg nicht automatisch die Qualität – im Gegenteil.
Wie schneidet der Markt ab?
Die Ergebnisse sind ernüchternd. Zwar konnten zehn Produkte mit einem „sehr gut“ glänzen – also ohne oder mit nur sehr geringen Spuren von Mineralölbestandteilen – doch in mehr als der Hälfte der getesteten Öle war die Belastung so hoch, dass sie als „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“ eingestuft wurden. Besonders auffällig: Hanföle schneiden ausnahmslos schlecht ab. Kein einziges davon erhielt eine positive Bewertung, viele wiesen stark erhöhte Werte auf.
Ebenfalls problematisch: die Erdnussöle. Hier fanden sich in gleich mehreren Proben die besonders bedenklichen MOAH – in einem Fall sogar in einem Ausmaß, das den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Höchstwert überschreitet. Trotzdem reagierte der Hersteller nicht.
Auf der anderen Seite gibt es auch positive Beispiele. Einige Kürbiskernöle aus Österreich überzeugten durchweg mit sehr guten Ergebnissen. Auch ein preiswertes Sesamöl einer Supermarktkette konnte mit einem sehr guten Urteil überraschen.
Warum gibt es noch immer keine Grenzwerte?
Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch den Testbericht von ÖKO-TEST. Zwar gibt es von Seiten der Industrie sogenannte „Orientierungswerte“, an denen sich Hersteller freiwillig orientieren können. Diese sind jedoch nicht bindend – und werden oft auch nicht eingehalten. Das zeigt etwa das Beispiel des Mazola Erdnussöls: Obwohl es den vorgeschlagenen EU-Höchstwert für MOAH überschreitet, zeigte der Anbieter keinerlei Bereitschaft, das Produkt vom Markt zu nehmen oder öffentlich Stellung zu beziehen.
Politisch bewegt sich das Thema nur langsam. Erst im November 2025 soll auf EU-Ebene entschieden werden, ob es ab 2027 endlich verbindliche Grenzwerte für MOAH geben wird. Selbst wenn diese beschlossen werden, ist mit Übergangsfristen bis 2030 zu rechnen. Bis dahin bleibt der Gesundheitsschutz im Wesentlichen den Eigeninitiativen von Herstellern überlassen – oder dem Druck durch unabhängige Tests wie dem von ÖKO-TEST.
Wie reagieren Unternehmen?
Der Test zeigt eindrücklich, wie unterschiedlich die Hersteller auf kritische Befunde reagieren. Während manche Anbieter – wie etwa Rewe – sofort Maßnahmen ergreifen und belastete Chargen aus dem Verkehr ziehen, bleiben andere vollkommen passiv. Besonders heikel: Das Verhalten der Firma Peter Kölln, die trotz des klaren MOAH-Nachweises keine Reaktion zeigte. Für Verbraucher bedeutet das: Die Verantwortung für die Lebensmittelsicherheit wird oft einfach weitergegeben – an die Konsumenten selbst.
Gleichzeitig beweist der Test aber auch, dass es möglich ist, Speiseöle ohne bedenkliche Rückstände herzustellen. Die sehr gut bewerteten Produkte machen deutlich: Wer will, kann. Doch ohne gesetzliche Pflicht bleibt es bei freiwilligen Erfolgen – und vielen Risiken.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Der aktuelle Test zeigt, dass das Risiko, mit Mineralöl belastete Öle zu kaufen, nach wie vor hoch ist – insbesondere bei Hanf- und Erdnussöl. Das Gütesiegel „Bio“ ist kein Garant für schadstofffreie Produkte. Auch hohe Preise schützen nicht vor Verunreinigungen. Wer sicher gehen möchte, sollte sich an die Testergebnisse von ÖKO-TEST halten und bevorzugt Produkte wählen, die frei von MOAH und mit nur minimalen Mengen an MOSH belastet sind.
Verbraucherinnen und Verbraucher sollten zudem wachsam bleiben und sich nicht auf wohlklingende Marketingversprechen verlassen. Nur durch unabhängige Analysen lässt sich verlässlich feststellen, wie sauber ein Lebensmittel wirklich ist.
Kommt bald die Wende?
Es bleibt zu hoffen, dass sich die politischen Prozesse in der EU tatsächlich beschleunigen und verbindliche Grenzwerte für Mineralölbestandteile eingeführt werden. Der Test von ÖKO-TEST hat erneut gezeigt, dass ohne klare gesetzliche Vorgaben zu viele Schlupflöcher bestehen – und zu viele Hersteller diese auch nutzen. Bis dahin bleibt nur der Appell: Wachsamkeit, Transparenz und Tests sind die einzigen Werkzeuge, mit denen sich Verbraucher effektiv schützen können.