Öko-Test - 21 Sonnenschutzmittel 50/50+ Testsieger

21 Sonnenschutzmittel 50/50+ im Test-Vergleich von Öko-Test

Öko-Test

06/2025 - Öko-Test

Wie zuverlässig schützen Sonnenschutzmittel mit LSF 50/50+ wirklich?

ÖKO-TEST hat im Magazin 6/2025 eine umfassende und richtungsweisende Testreihe veröffentlicht, bei der 26 Sonnenschutzmittel mit Lichtschutzfaktor (LSF) 50 oder 50+ auf den Prüfstand kamen. Ziel war es, nicht nur die Schutzwirkung zu überprüfen, sondern auch die Sicherheit und Umweltverträglichkeit der Inhaltsstoffe. Besonders spannend: Erstmals kam eine neue In-vitro-Methode zur Bestimmung des LSF zum Einsatz, die eine Bewertung ganz ohne Tierversuche oder Tests an menschlicher Haut ermöglicht.

Was wurde im Test genau untersucht?

Die Redaktion von ÖKO-TEST ließ die Produkte in unabhängigen Laboren umfassend analysieren. Dabei standen gleich mehrere Prüfgrößen im Fokus:
Zunächst der tatsächliche Lichtschutzfaktor, den die neue, international anerkannte ISO-Norm 23675:2024 nun auch ohne direkte Anwendung auf der Haut messen kann. Diese sogenannte In-vitro-Methode ermöglicht präzise Aussagen zur Schutzwirkung und ist damit ein Meilenstein für künftige Produktbewertungen.

Neben dem LSF wurden auch gesundheitsbedenkliche Inhaltsstoffe wie hormonell wirksame UV-Filter, allergene Duftstoffe, Konservierungsmittel, synthetische Polymere und Weichmacher untersucht. Zudem prüfte ÖKO-TEST, ob Hinweise zu Anwendung und Risiken auf der Verpackung vollständig und verständlich sind. Verpackungsaspekte wie unnötige Umkartons oder fehlende Rezyklatanteile spielten bei der Bewertung ebenfalls eine Rolle.

Welche Ergebnisse überraschten?

Nur zwei Sonnenschutzmittel schnitten im Gesamturteil mit „sehr gut“ ab. Zwölf weitere wurden immerhin als „gut“ bewertet. Doch auf der anderen Seite der Skala zeigten sich deutliche Schwächen: Elf Produkte verfehlten den ausgelobten Schutzwert zum Teil erheblich. Ein Produkt, die Alterra Sonnencreme Bio-Sonnenblume, LSF 50, erreichte nicht einmal Lichtschutzfaktor 20 – ein kritischer Befund für ein Mittel, das intensiven Schutz versprechen soll.

Besonders problematisch: In fünf Produkten wiesen die Labore Spuren des verbotenen Weichmachers DnHexP nach, in einem Fall sogar in gesundheitlich bedenklicher Menge. DnHexP steht im Verdacht, reproduktionstoxisch zu wirken und hat in Kosmetika nichts zu suchen. Auch wenn die genaue Quelle der Belastung nicht immer nachvollziehbar ist, wird deutlich: Die Branche hat hier noch Nachholbedarf.

Was ist dran an „korallenfreundlichen“ Versprechen?

Viele Hersteller werben mit Begriffen wie „meeresfreundlich“, „korallenfreundlich“ oder „umweltfreundliche UV-Filter“. ÖKO-TEST hinterfragte diese Aussagen kritisch. Der Grund: Nur weil bestimmte UV-Filter wie Oxybenzon oder Octinoxat nicht enthalten sind, heißt das nicht automatisch, dass ein Produkt harmlos für Meeresorganismen ist. Eine aktuelle Übersichtsstudie der Universität Plymouth fordert breiter angelegte Forschung, da viele Studien nur einzelne Filter und Organismen untersuchen.

Daher bewertete ÖKO-TEST solche pauschalen Umweltauslobungen als irreführend – insbesondere dann, wenn andere potenziell schädliche chemische Filter enthalten sind. Im Sinne eines vorsorgenden Umwelt- und Verbraucherschutzes mahnt die Redaktion zu mehr Transparenz und Zurückhaltung in der Werbung.

Wie steht es um umstrittene Inhaltsstoffe?

Kritisch betrachtet wurden insbesondere Octocrylen, ein chemischer UV-Filter mit hormonähnlicher Wirkung, sowie Silberchlorid, das in zwei Produkten als Konservierungsmittel eingesetzt wurde. Bei Silberchlorid fehlt häufig der gesetzlich empfohlene Hinweis, dass diese Mittel nicht für Kinder unter drei Jahren geeignet sind – auch wenn sich die Produkte nicht explizit an Kinder richten. Aus Sicht von ÖKO-TEST sollte ein solcher Hinweis dennoch Standard sein, da Familien oft ein gemeinsames Produkt nutzen.

Auch der Einsatz von Silikonen und synthetischen Polymeren wurde abgewertet, insbesondere wenn er nicht nachvollziehbar oder notwendig erschien. Diese Stoffe belasten nicht nur die Umwelt, sondern bringen aus Sicht von ÖKO-TEST keinen erkennbaren Vorteil für die Pflegewirkung.

Welche Produkte überzeugten?

Besonders positiv aufgefallen ist die Eco Cosmetics Sonnenlotion, LSF 50, die nicht nur den ausgelobten Lichtschutzfaktor erfüllte, sondern sogar übertraf – und das allein mit mineralischen UV-Filtern. Damit zeigt sich, dass wirksamer Sonnenschutz auch ohne chemische Filter möglich ist.

Ebenfalls mit „sehr gut“ bewertet wurden preisgünstige Drogeriemarken wie die Sundance Sonnenmilch, LSF 50 (dm) und die Sun D’Or Sonnenmilch, LSF 50 (Edeka/Budni). Sie kombinierten wirksamen Schutz mit sauberen Inhaltsstoffen und einer transparenten Deklaration.

Worauf sollten Verbraucher achten?

Ein hohes Preisetikett allein garantiert keinen besseren Schutz – das belegt der Test eindrucksvoll. Die Preisspanne im Test lag zwischen 3,16 und knapp 48 Euro pro 200 ml. ÖKO-TEST empfiehlt, neben dem LSF vor allem auf deklarierte Inhaltsstoffe zu achten und Produkte mit Weichmachern, problematischen Konservierungsmitteln oder übertriebenen Umweltversprechen zu meiden.

Zudem sollten Anwender sich nicht allein auf den LSF verlassen: Großzügiges Auftragen, regelmäßiges Nachcremen und Meiden der Mittagssonne bleiben die wichtigsten Regeln im Umgang mit UV-Strahlung.

Wie testet ÖKO-TEST eigentlich?

Die Redaktion beschreibt das Vorgehen detailliert: Der Einkauf der Produkte erfolgte anonym im März 2025 in Apotheken, Drogerien, Supermärkten und Online-Shops. Jedes Produkt wurde im Labor auf Schadstoffe, UV-Filter, Verpackungskomponenten, Duftstoffe und Inhaltsstoffe untersucht. Die ISO-zertifizierte LSF-Messung in vitro wurde eigens in Auftrag gegeben. Auch Werbeaussagen und die Angabe gesetzlich vorgeschriebener Hinweise wurden bewertet. Alle Kriterien flossen gleichgewichtet in das Gesamturteil ein.

Mit dieser Testreihe liefert ÖKO-TEST ein umfangreiches, faktenbasiertes und für Verbraucher hochrelevantes Ergebnis – ein wichtiger Beitrag für mehr Sicherheit in der Sommersonne.

Fazit: UV-Schutz ja – aber bitte mit Substanz

Die gute Nachricht: Viele Produkte im Test bieten verlässlichen Schutz. Doch der Test zeigt auch, dass manche Versprechen nicht halten, was sie suggerieren. Wer sich und seine Familie effektiv schützen will, sollte Produkte sorgfältig auswählen – idealerweise anhand eines fundierten Tests wie dem von ÖKO-TEST. Der neue Prüfstandard ist ein großer Fortschritt – und ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz, Verbraucherschutz und Umweltverantwortung.

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