CT Magazin - 5 Bluetooth Auracast Sender Testsieger
5 Bluetooth Auracast Sender im Test-Vergleich von CT Magazin
In diesem Vergleich wurden getestet:
14/2025 - CT Magazin
Inhaltsverzeichnis
Was bringt Bluetooth Auracast wirklich?
Fünf erste Sender im Test von c’t – eine Technik zwischen Vision und Alltag
Bluetooth Auracast gilt als die größte Weiterentwicklung im kabellosen Audiostreaming seit Einführung des Standards. Statt Geräte einzeln per Pairing zu koppeln, erlaubt Auracast einen echten Broadcast-Modus: Ein Sender funkt Audioinhalte gleichzeitig an beliebig viele Empfänger. Das eröffnet neue Möglichkeiten für Wohnzimmer, Büros, Sportstätten, Hörsäle oder Bahnhöfe. Doch wie alltagstauglich ist die neue Technik heute schon? Und wie schlagen sich die ersten erhältlichen Auracast-Sender? Die Technikredaktion der c’t hat fünf Modelle unter realen Bedingungen getestet.
Was unterscheidet Auracast von klassischem Bluetooth?
Im Unterschied zu Bluetooth Classic (BT-C), das maximal zwei Geräte gleichzeitig koppeln kann, erlaubt Auracast eine verbindungslose Übertragung an viele Empfänger. Diese können sich frei in Reichweite des Signals bewegen und bei Bedarf ein- oder aussteigen. Der Stream läuft weiter – ganz ohne Interaktion mit dem Sender.
Ein großer technischer Fortschritt liegt in der zugrunde liegenden Architektur. Auracast basiert auf Bluetooth LE Audio und nutzt den modernen LC3-Codec, der bei besserer Klangqualität gleichzeitig geringere Latenzen bietet. In der Praxis bedeutet das nicht nur besseren Musikgenuss, sondern auch eine synchronisierte Audioübertragung zu Videoinhalten – ein klarer Vorteil für Gamer und TV-Zuschauer.
Welche Anwendungen sind denkbar?
Die Einsatzmöglichkeiten reichen weit über den Privathaushalt hinaus. In Wohngemeinschaften können mehrere Personen gleichzeitig einem Videostream folgen, in Sportbars lassen sich unterschiedliche Fernsehtonspuren gezielt an Besuchergruppen senden. Auch Hörgeschädigte profitieren, da Auracast künftig direkt Hörgeräte oder Cochlea-Implantate ansprechen kann – etwa mit Ansagen im öffentlichen Nahverkehr oder in Vorlesungssälen.
Diese neuen Szenarien machen Auracast für professionelle Umgebungen ebenso interessant wie für den privaten Alltag. Der c’t-Test untersucht deshalb nicht nur die technische Kompatibilität, sondern auch, ob sich die getesteten Geräte für unterschiedliche Umgebungen eignen – vom Wohnzimmer bis zum Großraum.
Wie wurde getestet?
Die Redaktion der c’t setzte auf einen praxisnahen Testansatz. Geprüft wurde, wie gut die fünf Auracast-Sender mit verschiedenen Kopfhörern und Hörhilfen zusammenarbeiten, wie weit ihre Signale reichen, welche Latenzen auftreten und ob die Bedienung alltagstauglich ist. Als Referenzgeräte dienten In-Ears von Sennheiser und EarFun sowie ReSound-Hörhilfen. Wichtig war auch die Fähigkeit zur Konfiguration – etwa das Setzen eines Streamnamens oder das Aktivieren von Verschlüsselung für geschützte Anwendungen.
Ein weiterer Punkt: Auracast funktioniert nur dann reibungslos, wenn Sender und Empfänger die gleichen Übertragungsparameter verstehen. Der Low Complexity Communication Codec (LC3) ist in zwei Qualitätsstufen spezifiziert – Standard Quality (SQ) und High Quality (HQ). Einige Sender senden nur in HQ, was manche Hörhilfen überfordert. Auch diese technische Detailfrage spielte im Test eine zentrale Rolle.
Welche Hürden zeigt der Test?
Trotz aller Versprechen offenbarte der Test von c’t, dass Auracast noch nicht ganz im Alltag angekommen ist. Zwar konnten einige Sender wie der HT-01 von Humantechnik oder der günstige Taiyilian-Transmitter mit großer Kompatibilität und einfacher Bedienung punkten. Doch andere Geräte ließen sich nur mit Herstellereigenen Produkten koppeln – ein Problem besonders bei Hörgeräten, wo proprietäre Ökosysteme oft den Standard aushebeln.
Auch die Konfigurierbarkeit ist noch nicht überall ausgereift. Während sich bei manchen Geräten Verschlüsselung und Streamnamen bequem per App ändern lassen, fehlt diese Funktionalität bei anderen ganz oder funktioniert nur eingeschränkt. Gerade bei Anwendungen in öffentlichen Räumen ist das ein entscheidender Nachteil.
Ein weiteres Problem zeigt sich bei der Reichweite. Einige Geräte erreichten nicht einmal die angegebenen zehn Meter zuverlässig, andere sendeten problemlos über 50 Meter – allerdings teils nur mit bestimmten Kopfhörern. Wiederum andere Sender wiesen Fehler in der Softwaresteuerung auf, was zu unterbrochenen Verbindungen oder nicht startenden Streams führte.
Wie schlägt sich Auracast in der Praxis?
Das Fazit der Redaktion fällt differenziert aus. Für private Anwendungen – etwa in Wohnzimmern oder kleinen Büros – ist Auracast in der aktuellen Gerätegeneration bereits gut nutzbar. Vor allem Sender mit klarer Menüführung, stabiler Verbindung und flexibler Codec-Auswahl konnten überzeugen. Hier zeigt sich, dass die Technik Potenzial hat, klassische Bluetooth-Brücken mittelfristig zu ersetzen.
Im professionellen Bereich gibt es hingegen noch Luft nach oben. Die geringe Reichweite vieler Geräte, die mangelnde Konfigurierbarkeit mancher Modelle und die eingeschränkte Kompatibilität mit bestehenden Hörhilfen verhindern derzeit eine flächendeckende Einführung in Bahnhöfen, Schulen oder Konferenzzentren. Auch fehlt es bisher an einheitlichen Qualitätsstandards für Consumer- und Pro-Audio-Umgebungen.
Ein großes Plus bleibt jedoch der Effizienzgewinn im Energiemanagement: Auracast verbraucht weniger Strom als herkömmliche Bluetooth-Streaming-Technik. Das ist besonders für mobile Anwendungen relevant – etwa für tragbare Mikrofone oder für Kopfhörer mit langer Akkulaufzeit.
Wohin führt der Weg?
Der Test von c’t zeigt deutlich: Bluetooth Auracast ist eine der vielversprechendsten Innovationen im Bereich drahtloser Audiotechnik – vergleichbar mit der Einführung von WLAN oder AirPlay. Doch wie bei vielen neuen Technologien ist der Start von Herausforderungen begleitet. Die Industrie muss nachliefern: Bei der Kompatibilität, bei der Standardisierung von Konfigurationsoptionen und vor allem bei der Verständlichkeit für Endnutzer.
Für Technik-Enthusiasten, Entwickler oder Betreiber von spezialisierten Audioumgebungen ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um mit Auracast zu experimentieren. Die Zahl kompatibler Kopfhörer, Lautsprecher und Hörhilfen wächst, die Sender werden günstiger, vielseitiger und leichter konfigurierbar. Und auch wenn sich der Alltagseinsatz derzeit noch auf kleinere Räume beschränkt, könnte Auracast mittelfristig den „blauen Rundfunk“ tatsächlich revolutionieren – in Wohnzimmern, Hörsälen und weit darüber hinaus.