Computer Bild - 3 Alternativen zur Videokamera Testsieger
3 Alternativen zur Videokamera im Test-Vergleich von Computer Bild
In diesem Vergleich wurden getestet:
14/2025 - Computer Bild
Inhaltsverzeichnis
- Kann ein Smartphone den klassischen Camcorder wirklich ersetzen?
- Wie schlug sich das Xiaomi 15 Ultra als Hauptkamera?
- Wo punktete der Insta360 Flow 2 Pro-Gimbal – und wo versagte er?
- Warum avancierte die Insta360 X5 vom Backup zum Liebling?
- Reicht das alles, um den Camcorder endgültig in Rente zu schicken?
- Für wen lohnt sich welches Gerät?
- Was bleibt nach einer Woche Jakobsweg im Rucksack?
Kann ein Smartphone den klassischen Camcorder wirklich ersetzen?
COMPUTER BILD-Chefredakteur Dirk General-Kuchel wollte es genau wissen und nahm auf dem französischen Jakobsweg statt einer Videokamera ein Technik-Trio mit: das Xiaomi 15 Ultra samt Foto-Kit, den Insta360 Flow 2 Pro-Gimbal und die Insta360 X5. Sein Ziel war herauszufinden, ob diese Kombination die betagte, aber bewährte Sony AX53 dauerhaft verdrängen kann.
Wie schlug sich das Xiaomi 15 Ultra als Hauptkamera?
Das Xiaomi beeindruckte mit realistischer Farbwiedergabe und sauberem 4K-Bild – solange es allein arbeitete. In Verbindung mit dem Foto-Kit kletterte das Gewicht jedoch auf 334 Gramm; damit lag es über der offiziellen Tragkraftgrenze des Flow 2 Pro. Folge: Feine Ruckler, die man erst beim Schnitt entdeckte, aber danach nicht mehr „wegbekommt“. Außerdem steht die elektronische Stabilisierung bei 4K/60 fps gar nicht zur Verfügung, sodass Wanderaufnahmen auf unebenem Terrain stets einen Kompromiss zwischen Schärfe und Ruhe verlangten. Das integrierte Mikro bot ordentlichen Klang, war jedoch deutlich windempfindlicher als das der Action-Cam.
Wo punktete der Insta360 Flow 2 Pro-Gimbal – und wo versagte er?
Seine Stärke lag im schnellen Setup: Smartphone an die Magnethalterung setzen, per NFC koppeln, losfilmen. Die Tracking-Funktion verfolgte den Wanderer zuverlässig, sogar bei moderierten Szenen, in denen sich der Filmer selbst im Bild hielt. Kritisch blieb jedoch die maximale Tragkraft von 300 Gramm. Bei schwereren Handys löste sich die magnetische Klammer zweimal – ein Risiko, das man auf steinigen Bergpfaden lieber nicht eingeht. Wer ein leichteres Smartphone oder das Xiaomi ohne Foto-Griff nutzt, bekommt für rund 160 Euro ein erstaunlich vielseitiges Stabilisierungstool.
Warum avancierte die Insta360 X5 vom Backup zum Liebling?
Eigentlich sollte die 360-Grad-Cam nur besondere Panorama-Momente sichern. Doch weil das Smartphone-Gimbal-Duo bei langen Märschen wackelte, übernahm die X5 immer öfter die Hauptrolle. Ihre FlowState-Stabilisierung ließ sich selbst auf holprigen Feldwegen nicht aus der Ruhe bringen; Farblook und Dynamik wirkten angenehm kräftig, ohne überzeichnet zu sein. Besonders überzeugt hat der Ton: Dank effektivem Windschutz blieb Sprache klar verständlich, wo das Smartphone bereits rauschte. Einziger echter Kritikpunkt bleibt die empfindliche Linsenschutzkappe, die schon nach kurzer Zeit verkratzte – bei einem 590-Euro-Gerät ein vermeidbarer Makel.
Reicht das alles, um den Camcorder endgültig in Rente zu schicken?
Noch nicht ganz. Beim Zusammenschnitt offenbarten sich Restprobleme: leichte Verzerrungen der 360-Grad-Linse im Vlogger-Modus, Mikroruckler vom überladenen Gimbal, unsaubere Zoom-Übergänge am Smartphone. Dennoch zeigt der Praxistest von COMPUTER BILD, dass man heute mit einem leichten Set aus Action-Cam, Smartphone und Gimbal erstaunlich nahe an die Stabilität und Bildqualität eines klassischen Handcamcorders herankommt – und das ohne kiloschweres Gepäck.
Für wen lohnt sich welches Gerät?
Reine Vlogger und Outdoor-Filmer profitieren am meisten von der Insta360 X5: blitzschnell einsatzbereit, sturmsicherer Ton, überragende Stabilisierung – ideal, wenn man sich unterwegs nicht mit Technikfummelei aufhalten will.
Reisende, die flexible Brennweiten und guten Autofokus brauchen, greifen zum Xiaomi 15 Ultra, aber besser ohne das schwere Foto-Kit oder mit einem kräftigeren Gimbal.
Hobby-Filmer, die überwiegend moderierte Szenen drehen, schätzen den Flow 2 Pro wegen seines exzellenten Gesichtstrackings – vorausgesetzt, ihr Smartphone bleibt unter der 300-Gramm-Grenze.
Was bleibt nach einer Woche Jakobsweg im Rucksack?
Dirk General-Kuchel brachte zwar noch nicht den Mut auf, seine alte Sony ganz einzumotten, doch er sieht die Lücke schrumpfen. Ein künftiges Smartphone mit besserer integrierter Stabilisierung oder ein Gimbal mit höherer Tragkraft könnte den Sprung endgültig schaffen. Bis dahin bleibt das Fazit der COMPUTER BILD-Reportage: „Smartphone und Action-Cam statt Camcorder? Das geht – aber perfekt ist es erst, wenn Gewicht, Stabilisierung und Audio wirklich in jeder Situation zusammenspielen.“