Rennrad Radsportmagazin - 6 GPS-Radcomputer Testsieger

6 GPS-Radcomputer im Test-Vergleich von Rennrad Radsportmagazin

Rennrad Radsportmagazin

08/2025 - Rennrad Radsportmagazin

Warum lohnt sich heute ein GPS-Radcomputer?

Früher reichten Tacho, Stoppuhr und vielleicht ein Herzfrequenz­gurt. Im aktuellen Vergleichstest des Magazins Rennrad, verantwortet von Technik-Redakteur Günther Proske, zeigt sich jedoch, wie weit die digitalen Cockpits inzwischen sind: Sie navigieren mit autonomen Karten, messen Leistung, Wind oder Blutzucker, greifen per Bluetooth auf elektronische Schaltungen zu und analysieren Trainingseinheiten fast so detailliert wie eine Online-Plattform. Die sechs geprüften Geräte kosten zwischen 289 und 749 Euro – eine Preisspanne, in der sich klar ablesen lässt, welche Extras den Aufpreis tatsächlich rechtfertigen.

Wie deutlich hat sich das Display verbessert?

Die älteren, transflektiven Monochrom­anzeigen weichen zunehmend hoch­auflösenden Farb-Touchscreens, die an Smartphone-Panels erinnern. Der neue Garmin Edge 1050 liefert ein kontraststarkes 3,5-Zoll-LCD; Hammerheads Karoo II und Wahoos Elemnt Ace gehen mit noch größeren Diagonalen an den Start, bieten fantastische Kartendetails und lassen gleich mehrere Datenseiten sichtbar, ohne dass man wischen muss. Beim kompakten Sigma Rox 12.1 Evo setzt RennRad auf farbig hinterlegte Datenfelder, um trotz kleinerem Gehäuse die Lesbarkeit zu erhöhen. Einziger Nachteil großformatiger Screens: Sie brauchen Strom – weshalb Akkudesign und Energiespar­tricks heute fast so wichtig sind wie Pixeldichte.

Wie lang hält der Akku wirklich?

Im Messlabor von RennRad zeigte der Coros Dura eine geradezu extreme Ausdauer: Bis zu 120 Stunden sind möglich, weil ein Solarpanel im Gehäuse­rahmen auch während der Fahrt nachlädt. Am anderen Ende des Spektrums rangiert der Jespr; sein dauerhaftes Mobilfunk-Modul verkürzt die reale Laufzeit auf rund sieben Stunden, obwohl sich dafür das Smartphone zu Hause lassen lässt. Die großen Karoo, Ace und Edge landen mit 20 bis 30 Stunden in einem praxis­tauglichen Mittelfeld. Sigma erreicht mit transflektiver Technik ungefähr 14 Stunden und zielt damit auf Sportler, die eher eine Etappe als eine ganze Brevet-Serie aufzeichnen wollen.

Touch oder Taste – was ist unterwegs sinnvoller?

Garmin wagt mit dem Edge 1050 den reinen Touch-Ansatz; alle anderen Kandidaten kombinieren Bildschirmgesten mit physischen Knöpfen. RennRad stellt fest: Wer in der Abfahrt Handschuhe trägt, reagiert auf Regentropfen oder schnell in ein Menü springen will, ist mit ergänzenden Tasten schlicht sicherer unterwegs. Coros ersetzt die üblichen Knöpfe durch eine gerändelte Krone – sie erwies sich im Test als überraschend intuitiv.

Sind alle Karten gleich gut?

Nein. Die spannendste Entwicklung 2025 ist die Tiefe der OSM-Basiskarten: Hammerhead, Wahoo und Garmin zeichnen Waldwege, Schotterpisten und Points of Interest fast wie ein Outdoor-Navi und berechnen auch abseits asphaltierter Strecken zuverlässige Alternativ­routen. Sigma spendiert dem Rox seit dem jüngsten Update 3D-Gebäude­darstellungen für die Stadt. Coros zeigte im Test etwas weniger Detail, beherrscht jedoch – anders als früher – ein automatisches Re-Routing über Google-Maps-Daten. Alle Geräte können geplante Touren von Komoot oder Strava importieren; beim Jespr läuft das direkt über das LTE-Modul, bei den anderen über die Begleit-Apps.

Welche Innovationen stechen im Alltag wirklich heraus?

  • Der Solar-Lade­rahmen des Coros verlängert lange Bike-Packing-Etappen spürbar – eine Stunde Sonne bringt bis zu zwei Stunden Reserve.
  • Hammerhead integriert einen erweiterten Energiespar­modus: CPU-Takt und Displayhelligkeit werden dynamisch reduziert, ohne die Navigations­qualität massiv zu beeinträchtigen.
  • Wahoo überrascht mit einem Wind­sensor; er berechnet live den Gegen- oder Rückenwind und legt die Werte neben Geschwindigkeit und Watt. Noch ist es eher Spielerei, aber als Basis für Aero-Analysen interessant.
  • Jespr setzt auf eine eingebaute eSIM; so laufen Live-Tracking, Wetterlayer und Karten-Download ohne Handy – praktisch, solange man die monatliche Abo-Gebühr akzeptiert.

Welche Rolle spielen Apps und Ökosysteme?

Die Begleit­programme sind der verlängerte Arm des Computers. Garmin Connect bleibt mit Trainings­plänen, Gesundheits­metriken und IQ-App-Store das funktions­reichste, kann Einsteiger aber fast überfordern. Wahoo hat seine neue App deutlich aufgeräumt und bindet eigene Systm-Workouts nahtlos ein. Hammerhead liefert erstmals eine Companion-App, bleibt aber bei der Philosophie, möglichst viele Einstellungen direkt am Gerät vorzunehmen. Sigma Ride punktet durch Übersichtlichkeit und eine pfiffige „Draw-Your-Route“-Funktion, während Coros runder wirkt, wenn man zusätzlich eine Coros-Uhr besitzt.