Öko-Test - 15 Kindertattoos Testsieger

15 Kindertattoos im Test-Vergleich von Öko-Test

Öko-Test

02/2025 - Öko-Test

Öko-Test: Kindertattoos im Check – Gefährlicher Hautschmuck?

Kindertattoos sind ein beliebter Spaß – schnell aufgetragen, bunt und ein Hingucker auf jeder Haut. Doch was harmlos wirkt, entpuppt sich im Test als Gesundheitsrisiko. Von problematischen Inhaltsstoffen bis hin zu verbotenen Substanzen deckt Öko-Test gravierende Mängel auf. Nur zwei der 15 getesteten Produkte erhalten ein „sehr gut“ – fast alle anderen fallen mit „ungenügend“ durch.

Was steckt in Kindertattoos? Fehlende Deklarationen und gefährliche Substanzen

Eltern achten immer stärker auf die Sicherheit von Kosmetik- und Pflegeprodukten für ihre Kinder. Doch bei Kindertattoos bleibt die Transparenz oft auf der Strecke. Viele Produkte enthalten keine Inhaltsstofflisten oder nur unvollständige Angaben. Selbst große Online-Plattformen wie Shein, Temu und Amazon bieten Tattoos an, die im Test mit gefährlichen Inhaltsstoffen negativ auffallen. Besonders problematisch:

  • Krebserregende Stoffe: In Shein-Tattoos wurde Benzol nachgewiesen, eine in Kosmetika verbotene Substanz.
  • Schwermetalle: In Djeco-Tattoos fand das Labor Antimon, das Haut und Schleimhäute reizen kann.
  • Krebsverdächtiges Talkum: Neun getestete Marken enthielten diesen Inhaltsstoff, der als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft wurde.
  • Naphthalin: Eine in drei Produkten nachgewiesene Verbindung, die ebenfalls im Verdacht steht, krebserregend zu sein.
  • BHT & Polymere: Einige Tattoos enthielten das umstrittene Antioxidationsmittel BHT sowie halogenorganische Verbindungen, die sich in der Umwelt anreichern können.

Shein & Co.: Online-Plattformen unter Druck

Die gravierendsten Funde machte Öko-Test bei Shein- und Temu-Tattoos. Bei Shein lag der Benzol-Gehalt über dem gesetzlichen Grenzwert für Spielzeug, weshalb das Unternehmen die betroffenen Produkte aus dem EU-Verkauf nahm. Auch Temu-Produkte fielen mit bedenklichen Inhaltsstoffen auf. Amazon-Tattoos der Marke Habett wiesen extrem hohe Naphthalin-Werte auf – mehr als das Hundertfache anderer betroffener Produkte. Die mangelnde Regulierung solcher Plattformen sorgt immer wieder für gefährliche Produkte auf dem Markt. Hersteller reagieren oft erst auf Druck von Verbraucherschützern und Testlaboren, während problematische Tattoos ungehindert verkauft werden.

Kosmetik oder Spielzeug? Die rechtliche Grauzone

Ein Problem bei Kindertattoos ist die fehlende einheitliche Einstufung. Sind sie Kosmetik oder Spielzeug? Je nach Kategorisierung gelten unterschiedliche Anforderungen. 2016 stuften Sachverständige des Bundesamts für Verbraucherschutz Produkte, die Farbstoffe auf die Haut übertragen, als Kosmetik ein. Damit müssten alle Inhaltsstoffe klar deklariert sein. Hersteller umgehen dies jedoch oft mit der Einordnung als „Spielzeug“, was andere – weniger strenge – Regelungen zulässt. Öko-Test entschied sich daher, beide Maßstäbe anzulegen, um eine möglichst umfassende Bewertung der Sicherheitsrisiken vorzunehmen.

Kindertattoos und Hautgesundheit: Was sagen Experten?

Dermatologen warnen: Kindertattoos sind nicht so harmlos, wie sie scheinen. Die langjährige Kinderdermatologin Prof. Regina Fölster-Holst sieht klare Risiken:

  • Störungen der Hautbarriere: Studien zeigen, dass Klebetattoos die Haut unter oxidativen Stress setzen und ihre Schutzfunktion beeinträchtigen. Besonders bei Kindern mit Neurodermitis kann das problematisch sein.
  • Allergische Reaktionen: Inhaltsstoffe wie PEG-Derivate oder Farbstoffe können Allergien auslösen. Diese treten oft erst verzögert auf, sodass Eltern die Ursache nicht sofort erkennen.
  • Gefahr durch Henna-Tattoos: Besonders vorsichtig sollten Eltern bei Henna-Tattoos sein. In nicht-europäischen Ländern werden diese oft mit dem Farbzusatz P-Phenylendiamin (PPD) versetzt, das zu starken allergischen Reaktionen führen kann. Eine einmal entwickelte PPD-Allergie bleibt lebenslang bestehen.

Fölster-Holst rät daher klar: „Bitte keine Klebetattoos auf Kinderhaut.“

Öko-Test-Ergebnisse: Wer hat überzeugt?

Von 15 getesteten Marken erhielten nur zwei ein „sehr gut“. Positiv bewertet:

  • Lutz Mauder Tattoos Baustellenfahrzeuge
  • Namaki Abziehtattoos Weltall

Beide Marken verzichteten auf problematische Inhaltsstoffe und erfüllten sowohl die Anforderungen für Kosmetika als auch für Spielzeug.

Doch selbst hier gibt es eine Einschränkung: Lutz Mauder stellt seine Tattoos künftig mit geänderter Rezeptur her – identisch zu vielen der Testverlierer. Ein bisher sicheres Produkt könnte also bald nicht mehr empfehlenswert sein.

Warum Eltern vorsichtig sein sollten

Die meisten getesteten Kindertattoos wiesen erhebliche Mängel auf. Besonders problematisch sind dabei nicht nur verbotene Substanzen wie Benzol, sondern auch Stoffe wie Talkum oder PEG-Derivate, die über längeren Hautkontakt problematisch werden können. Tipps für Eltern:

  • Inhaltsstoffe prüfen: Produkte ohne klare Deklaration meiden.
  • Hautreaktionen beobachten: Bei Rötungen oder Juckreiz Tattoos sofort entfernen und einen Arzt aufsuchen.
  • Alternative Spielmöglichkeiten bieten: Kinder können ihr Aussehen auch durch Kleidung, Frisuren oder abwaschbare Farben verändern, ohne gesundheitliche Risiken einzugehen.

Fazit: Bunte Gefahr auf Kinderhaut

Kindertattoos sind kein harmloser Spaß, sondern können bedenkliche Chemikalien enthalten, die die Haut reizen oder sogar gesundheitliche Langzeitfolgen haben. Die Mehrheit der getesteten Produkte fiel mit „ungenügend“ durch. Besonders Online-Plattformen wie Shein, Temu und Amazon bieten weiterhin problematische Tattoos an.

Wer nicht auf Kindertattoos verzichten möchte, sollte gezielt nach geprüften Marken suchen und auf vollständige Deklarationen achten. Andernfalls bleibt nur ein klarer Rat: Lieber auf den bunten Hautschmuck verzichten.

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