Öko-Test - 33 Paprikapulver im Pestizide-Test Testsieger

33 Paprikapulver im Pestizide-Test im Test-Vergleich von Öko-Test

Öko-Test

05/2024 - Öko-Test

Pestizid-Cocktail in Paprikapulver: Ökotest deckt alarmierende Rückstände auf

Paprikapulver ist aus der Küche kaum wegzudenken. Ob für Gulasch, Chili oder als Bestandteil von Gewürzmischungen – das edelsüße Paprikagewürz ist vielseitig einsetzbar. Umso beunruhigender sind die Ergebnisse eines aktuellen Tests von Ökotest, der gravierende Pestizidbelastungen in vielen Produkten aufgedeckt hat. Besonders alarmierend: Ein Produkt von Netto enthielt gleich 23 verschiedene Pestizide und weist somit den traurigen Rekord in diesem Test auf. Ökotest unterzog 33 Proben von edelsüßem Paprikapulver einer umfassenden Pestizidanalyse. Das Ziel: Herauszufinden, wie stark die Produkte mit chemischen Spritzmitteln belastet sind. Dabei wurden sowohl konventionell angebaute als auch Bio-Produkte getestet. Die Ergebnisse sind ernüchternd und werfen ein düsteres Licht auf den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft.

Pestizidbelastung im Detail

Das Paprikapulver von Netto stellte mit 23 nachgewiesenen Pestiziden den Negativrekord auf. Besonders bedenklich: Acht dieser Pestizide sind in der EU verboten oder nicht mehr zugelassen. Darunter befindet sich auch das Breitbandherbizid Glufosinat, das seit 2019 auf europäischen Feldern nicht mehr eingesetzt werden darf. Glufosinat gilt als besonders bedenklich, da es im Verdacht steht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und das ungeborene Kind zu schädigen. Die hohe Anzahl unterschiedlicher Pestizide in einem Produkt stellt ein ernsthaftes Problem dar. Auch wenn die Pestizide jeweils nur in Spuren nachgewiesen wurden, sind die Wechselwirkungen und langfristigen Gesundheitsrisiken solcher Mehrfachbelastungen noch nicht ausreichend erforscht. Dies erhöht die Unsicherheit und das potenzielle Gesundheitsrisiko für Verbraucher erheblich.

Akute Gefahren und Langzeitrisiken

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sieht bei Pestiziden im Spurenbereich keine akute Gesundheitsgefahr, da Paprikapulver nur in geringen Mengen verzehrt wird. Dennoch bleiben die langfristigen Auswirkungen und die Risiken durch kombinierte Pestizidbelastungen weitgehend ungeklärt. Besonders problematisch sind dabei Pestizide, die in der EU verboten sind, wie Glufosinat.

Glufosinat: Ein besorgniserregendes Herbizid

Glufosinat wurde in mehreren getesteten Paprikapulvern nachgewiesen, in einigen Fällen sogar über den erlaubten Rückstandshöchstgehalt hinaus. Obwohl das Netto-Produkt diesen Grenzwert nicht überschreitet, ist der Gehalt dennoch als "erhöht" bewertet worden. Glufosinat steht im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen und embryotoxisch zu wirken, weshalb es auf europäischen Feldern seit 2019 nicht mehr zugelassen ist.

Bio-Paprika: Eine positive Ausnahme

Während konventionell angebaute Pulver massiv mit Pestiziden belastet sind, schneiden Bio-Produkte im Test überwiegend sehr gut ab. Fast alle getesteten Bio-Paprikapulver waren frei von bedenklichen Pestizidrückständen und erhielten die Note "sehr gut". Dies unterstreicht die Vorteile des ökologischen Landbaus und dessen strenge Richtlinien zum Einsatz von Pestiziden.

Fazit

Der Ökotest zum edelsüßen Paprikapulver bringt erschreckende Erkenntnisse über die Pestizidbelastung vieler Produkte ans Licht. Während Bio-Paprikapulver überwiegend sehr gut abschneiden, sind viele konventionelle Produkte stark belastet. Insbesondere das Nettoprodukt stellt mit 23 verschiedenen Pestiziden einen traurigen Rekord auf. Verbraucher sind gut beraten, auf Bio-Produkte zurückzugreifen und sich über die Herkunft und Verarbeitung ihrer Lebensmittel zu informieren. Die Industrie ist gefordert, ihre Eigenkontrollen zu verbessern und den Einsatz gefährlicher Pestizide zu reduzieren, um die Gesundheit der Verbraucher und die Umwelt zu schützen.

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