Öko-Test - 19 grüne Wandfarben Testsieger

19 grüne Wandfarben im Test-Vergleich von Öko-Test

Öko-Test

05/2024 - Öko-Test

Grüne Wandfarben im Test: Ein Bericht über die Untersuchung von Ökotest

Grüne Wände bringen gefühlt ein Stück Natur nach Hause. Doch gesund wie ein Waldspaziergang sind leider nicht alle Wandfarben. Ökotest hat 19 grüne Dispersionswandfarben getestet und herausgefunden, dass viele kritische Stoffe enthalten. Der Test zeigt, dass neun Farben bedenkenlos genutzt werden können, während zehn Produkte problematische Inhaltsstoffe aufweisen.

Testmethodik von Ökotest

Für ihren Test kaufte Ökotest 19 grüne Dispersionswandfarben ein, deren Preise zwischen 6 und 69,33 Euro pro Liter Farbe liegen. Ein spezialisiertes Labor untersuchte die Produkte auf bestimmte Schwermetalle, allergieauslösende Konservierungsmittel wie Isothiazolinone, Formaldehyd/-abspalter und flüchtige organische Verbindungen (VOC). Die Produktverpackungen wurden auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen analysiert. Zusätzlich wurde der Einsatz von Mica und dessen Herkunft hinterfragt. Die Analyse orientierte sich an den Vorgaben des Blauen Engels und des Verbands Deutscher Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL).

Kritische Inhaltsstoffe in grünen Wandfarben

Mehr als die Hälfte der getesteten Wandfarben enthielt Isothiazolinone, die zur Konservierung wasserbasierter Gemische eingesetzt werden, um die Vermehrung schädlicher Organismen zu verhindern. Diese Substanzen gelten als stark allergieauslösend und sind in vielen Anwendungsbereichen wie Kosmetika streng reglementiert. Zehn der getesteten Farben überschritten die von Ökotest zugrunde gelegten Grenzwerte für Isothiazolinone wie Benzisothiazolinon (BIT), Methylisothiazolinon (MIT) und Chlormethylisothiazolinon (CIT).

Problematische Raumluftbelastung durch Formaldehyd

Die Wandfarbe "Einfach Schöner Pure Eleganz Serpentin Grün" enthielt neben BIT und MIT auch Formaldehyd/-abspalter. Formaldehyd ist als wahrscheinlich krebserregend eingestuft und kann die Raumluft belasten. Formaldehyd dünstet aus und kann über die Atemluft aufgenommen werden, was zu Tumoren im Nasen- und Rachenbereich führen kann. Es kann auch Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Ökotest kritisiert Formaldehyd schon lange und fordert strengere Regulierungen für dessen Einsatz in Innenraumfarben.

Zweifel an luftreinigenden Eigenschaften

Die "Rust-Oleum Little Stars Luftreinigende Wandfarbe Zauberwald" verspricht, „gesundheitsgefährdende Schadstoffe“ zu beseitigen und Wände in einen natürlichen Luftreiniger zu verwandeln. Ökotest konnte jedoch keine überzeugenden Belege für diese Versprechen finden. Der Hersteller legte lediglich eine Laboranalyse vor, die zeigte, dass die Farbe Formaldehyd aus der Raumluft bindet – jedoch nur im Vergleich zu einer leeren Prüfkammer, nicht zu herkömmlichen Wandfarben.

Reproduktionstoxische und umweltgiftige Stoffe

Die "Primaster Wandfarbe Wohnambiente Klee" enthält Zinkpyrithion, einen bioziden Wirkstoff, der als wahrscheinlich reproduktionstoxisch eingestuft wird und die Fruchtbarkeit sowie die Entwicklung ungeborener Kinder beeinträchtigen kann. Zudem ist Zinkpyrithion sehr giftig für Wasserorganismen und seit 2021 in Kosmetika verboten.

Mica und Kinderarbeit

Mica wird in Wandfarben als Füllstoff verwendet, um die Deckkraft zu erhöhen. Ein Großteil des weltweit gehandelten Micas stammt aus Indien, wo es häufig von Kindern in illegalen Minen abgebaut wird. Da es keine Deklarationspflicht für Mica gibt, fragte Ökotest bei den Herstellern nach der Herkunft. Alle Hersteller gaben an, Mica aus Minen in Frankreich zu beziehen. Alpina und Hornbach konnten dies ausreichend belegen, während andere Hersteller dies nur teilweise nachwiesen.

So wurden die Tests durchgeführt

Ein spezialisiertes Labor führte umfangreiche Analysen der 19 grünen Dispersionsfarben durch. Die Untersuchung umfasste:

  • Bestimmung von Schwermetallen und weiteren Elementen
  • Analyse auf krebserregendes Chrom (VI)
  • Nachweis von allergieauslösenden Isothiazolinonen
  • Bestimmung von Formaldehyd/-abspaltern
  • Messung der Gesamtgehalte an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC)
  • Untersuchung der Verpackungen auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen
  • Erfassung von Zinkpyrithion
  • Nachfrage bei Herstellern zur Herkunft von Mica

Fazit

Grüne Wandfarben bieten eine attraktive Möglichkeit, die Natur ins eigene Zuhause zu holen. Der Test von Ökotest zeigt jedoch, dass viele Produkte problematische Inhaltsstoffe enthalten. Verbraucher sollten bei der Auswahl einer Wandfarbe auf deren Inhaltsstoffe und Umweltverträglichkeit achten. Produkte, die das Umweltzeichen Blauer Engel tragen, bieten hier eine gute Orientierung. Es ist wichtig, auf vollständige Deklarationen und Sicherheitshinweise zu achten, um sicherzustellen, dass ein unbedenkliches Produkt verwendet wird.

nach oben