Öko-Test - 22 pH-hautneutrale Waschlotionen Testsieger
22 pH-hautneutrale Waschlotionen im Test-Vergleich von Öko-Test
In diesem Vergleich wurden getestet:
04/2024 - Öko-Test
Inhaltsverzeichnis
TEST pH-hautneutrale Waschlotionen
Waschlotionen mit einem „hautneutralen“ pH-Wert sind besonders nützlich für Menschen mit Hautproblemen, gestresster oder sensibler Haut. Auch wir haben nicht viel an den Produkten auszusetzen: Die allermeisten schneiden im Test „gut“ ab.
Die saure Natur unserer Haut
Unsere Haut ist sauer. Ein bisschen jedenfalls: Je nach Hautareal, Alter und Geschlecht pendelt ihr pH-Wert irgendwo zwischen 4 und 6,5, also mehr oder weniger deutlich unterhalb der neutralen Marke von 7. Das Versprechen von Waschlotionen, die mit Eigenschaften wie „pH-hautneutral“, „seifenfrei“ oder „pH 5,5“ werben, lautet: dieses leicht saure Milieu der Haut beim Waschen oder Duschen nicht zu verschieben, anders als es etwa basische Seifen tun.
Mildere Tenside wären besser
Doch wie sieht es mit den Inhaltsstoffen in den Waschlotionen aus? Wir haben 22 Produkte ins Labor geschickt und kommen zu einem recht passablen Ergebnis: Die allermeisten sind „gut“, schlechteste Note war „befriedigend“. Die Bestnote „sehr gut“ erreichen allerdings nur drei Testteilnehmer: Das Salthouse Totes Meer Seifenfreies Waschgel pH-hautneutral, die Sanct Bernhard Eskimo Waschlotion und die Bioturm Waschlotion Empfindliche Haut pH-Wert 5,5.
Probleme mit PEG/PEG-Derivaten
Bei fast allen anderen Waschprodukten im Test kritisieren wir, dass sie PEG/PEG-Derivate als Tenside einsetzen. Diese Verbindungen tragen jedoch nicht nur zur Reinigungswirkung der Waschlotionen bei, einige PEG/PEG-Derivate können die Haut auch durchlässiger für Fremdstoffe machen. Es gibt sehr viel mildere Tenside auf dem Markt: Coco Glucoside oder Sodium Cocoyl Glutamate beispielsweise, wie sie in einigen „sehr guten“ Produkten im Test stecken. Solche waschaktiven Substanzen passen in unseren Augen sehr viel besser zur Produktgruppe der pH-hautneutralen Waschlotionen. Denn ein Großteil der Produkte empfiehlt sich für sensible Haut, einige sogar als Basispflege bei Neurodermitis oder Schuppenflechte.
Der saure pH-Wert unterstützt die Hautflora
Positiv dagegen: Die Waschlotionen sind tatsächlich alle leicht sauer eingestellt. Das haben wir im Labor nachmessen lassen und können bestätigen, dass sich alle Produkte in dem von uns vorgegebenen Toleranzbereich nahe dem hauteigenen pH-Wert bewegen. Doch warum ist dieser saure pH-Wert überhaupt von Bedeutung für die Haut, und was hat es mit dem „Säureschutzmantel“ auf sich, den viele Produkte versprechen zu schützen? Der Begriff Säureschutzmantel meint die äußerste Schutzschicht der Haut, die unter anderem aus sich abstoßenden Hautzellen, Schweiß und Hautfetten besteht und die von einer bestimmten Mischung an Mikroorganismen, der sogenannten Hautflora, besiedelt ist.
Wird der pH-Wert der Haut gestört, gerät auch diese für die Abwehr so wichtige Hautflora aus dem Gleichgewicht – so die Theorie. Gesunde Haut kann diesen Effekt danach schnell wieder regulieren, bei Menschen mit Barrieredefekten dauert es länger. Studien weisen darauf hin, dass der Haut-pH nach Anwendung basischer Reinigungsmittel bis zu drei Stunden für die Regeneration benötigt.
Ökologisches Reizpotenzial
So weit, so gut – für die Haut. Wir haben uns aber auch für das ökologische Reizpotenzial der Produkte interessiert, und da bleiben noch ein paar Kritikpunkte: Die Frei Öl Med Wasch & Dusch Creme pH 5,5 enthält synthetische Polymere, die über das Abwasser davongespült werden und über Klärschlamm in die Umwelt gelangen können – mit unbekannten Folgen. Die Numis Med pH 5,5 Waschlotion wirbt über das Label von Climate Partner mit vermeintlicher Klimaneutralität. Hier fehlt uns auf der Verpackung eine Einordnung des Herstellers, ob er die CO2-Emissionen tatsächlich selbst reduziert oder nur durch Zertifikate kompensiert.
Denn wirklich klimaneutral ist letztendlich ja kein Produkt. Das sieht auch die EU-Kommission so und plant ein Verbot solcher Aussagen, sofern sie nicht unabhängig überprüft sind. Der Hersteller von Numis Med hätte übrigens ganz leicht etwas für seine Umweltbilanz tun können: durch die Verwendung von Rezyklat in der Plastikflasche. Doch in diesem Punkt enttäuscht ein Großteil der Waschlotionen im Test.
Was heißt eigentlich „seifenfrei“?
Das eine Duschprodukt nennt sich „pH-hautneutral“, das andere „seifenfrei“. Aber ist damit eigentlich dasselbe gemeint? Jein. Das mit der „Seife“ ist verwirrend, denn umgangssprachlich benutzen wir das Wort für jenes glitschige Stück auf dem Waschbecken, mit dem man sich die Hände wäscht. Chemisch gesehen ist eine Seife jedoch etwas anderes, nämlich eine waschaktive Verbindung mit zwei verschieden agierenden Hälften: Die eine bindet sich gern an Fett, die andere an Wasser. So packen Seifen, die schon seit Jahrhunderten durch Verkochen von Ölen und Fetten hergestellt werden, den fetthaltigen Schmutz und lassen sich anschließend in Wasser davonspülen.
Seifen und Tenside
Genau nach dem gleichen Prinzip reinigen Tenside, die erst im vorigen Jahrhundert quasi als moderne Nachbildung der Seifen erfunden wurden. Reinigungsmittel mit Tensiden haben einen Vorteil: Ihr pH-Wert lässt sich beliebig einstellen, während der von Seife immer im basischen Bereich etwa zwischen 8 und 10 liegt. Eine „seifenfreie“ ausgelobte Waschlotion könnte also theoretisch auch auf einen anderen pH-Wert als den der Haut eingestellt sein. In unserem Test ist das aber nicht der Fall: Alle „seifenfreien“ Produkte sind auch „pH-hautneutral“.
So haben wir getestet
Für diesen Test haben wir insgesamt 22 Waschlotionen, -emulsionen, -cremes und -gele eingekauft, die als „hautfreundlich“, „pH-hautneutral“ oder mit „pH 5,5“ ausgelobt waren, zwei davon sind zertifizierte Naturkosmetik. Bezogen haben wir die Produkte in Drogerien, bei Discountern, in Apotheken sowie im Internet für Preise zwischen 0,75 und 13,88 Euro pro 300 Milliliter.
Unabhängige Labortests
Unabhängige Labore haben für uns die pH-Werte der Reinigungsprodukte und eventuell ausgelobte Urea-Gehalte nachgemessen. Bei der Beurteilung der pH-Werte orientierten wir uns an der Empfehlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) für pH-hautneutrale Produkte. Außerdem untersuchten die Labore die Reinigungsprodukte auf Formaldehyd/-abspalter, allergieauslösende Duftstoffe, Cashmeran, Nitromoschus- und polyzyklische Moschusverbindungen.
Enthielt ein Reinigungsmittel laut Deklaration Tonmineralien wie Löss, ließen wir es auf Schwermetalle analysieren. PEG/PEG-Derivate und synthetische Polymere erfassten wir anhand der Deklaration. Die Verpackungen ließen wir im Labor auf chlorierte Verbindungen testen. Zudem fragten wir die Hersteller, ob und wie viel recyceltes Plastik aus dem Gelben Sack – sogenanntes Post-Consumer-Rezyklat (PCR) – sie in den Kunststoffverpackungen einsetzen, und ließen uns die Angaben gegebenenfalls belegen.
Fazit
Insgesamt sind die Testergebnisse positiv, die meisten Produkte schneiden gut ab. Allerdings gibt es Verbesserungspotenzial, insbesondere was den Einsatz milderer Tenside und recycelter Materialien in der Verpackung betrifft. Waschlotionen mit einem leicht sauren pH-Wert unterstützen die natürliche Barriere der Haut und sind daher sowohl für Menschen mit verschiedenen Hautproblemen als auch für gesunde Haut, die häufigem Waschen oder extremen Bedingungen ausgesetzt ist, geeignet.