Öko-Test - 20 Gleitmittel Testsieger
20 Gleitmittel im Test-Vergleich von Öko-Test
In diesem Vergleich wurden getestet:
05/2017 - Öko-Test
Inhaltsverzeichnis
Stiftung Warentest testet Gleitmittel auf Qualität und Sicherheit
In der Welt der intimen Zweisamkeit nimmt der Trend zu natürlichen Produkten stetig zu. Besonders Gleitmittel, die schadstoff- und parfümfrei sind, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Stiftung Warentest hat kürzlich 20 verschiedene Gleitmittel untersucht und dabei nicht nur deren Wirksamkeit, sondern auch deren Inhaltsstoffe und mögliche gesundheitliche Auswirkungen unter die Lupe genommen. Dieser Bericht fasst die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und beleuchtet die Bedeutung der getesteten Produkte für verschiedene Anwendungsbereiche.
Vielseitige Einsatzmöglichkeiten
Gleitmittel werden oft als Spaßmacher für unbeschwerte Stunden zu zweit betrachtet. Sie sind für alle Spielarten des Sex erhältlich und bieten die passende glitschige Unterstützung. Doch das Angebot geht weit über den reinen Spaß hinaus. Einige dieser Produkte bieten einen echten medizinischen Mehrwert, besonders für Frauen, die unter Scheidentrockenheit leiden. Diese Trockenheit kann während und nach der Schwangerschaft oder nach den Wechseljahren auftreten und hat meist hormonelle Gründe. Neben hormonellen Cremes gibt es auch spezielle Gleitmittel, die ohne Hormone auskommen.
Stress und Kinderwunsch
Ein weiterer möglicher Grund für Scheidentrockenheit sitzt im Kopf: Stress durch unerfüllten Kinderwunsch. Viele Paare erleben in dieser Phase Frustration und Versagensängste, was die Lust und Freude am gemeinsamen Sex mindert. In dieser stressigen Phase leiden viele Frauen mindestens zeitweise unter Scheidentrockenheit, was den Spaß im Bett zusätzlich mindert und zu Verletzungen führen kann. Ein Teufelskreis, der eine erfolgreiche Empfängnis durchkreuzen kann.
Spermienschädigende Effekte
Obwohl Gleitmittel Schmerzen lindern können, durchbrechen sie nicht in jedem Fall den Teufelskreis der Scheidentrockenheit. Denn die meisten Mittel schaden den Spermien. Eine US-Studie zeigt, dass das Überleben der Samenzellen vom pH-Wert des Zervixschleims während des Eisprungs abhängt. Optimal ist ein pH-Wert zwischen 7,2 und 8,5, doch viele Gleitmittel sind deutlich saurer. Untersuchungen unterm Mikroskop in der Petrischale zeigen, dass selbst kleinste Mengen unpassenden Gleitgels zu einer stark eingeschränkten Spermienbeweglichkeit führen können.
Spezielle Gleitmittel für Paare mit Kinderwunsch
Nicht so die speziellen Gleitmittel bei Kinderwunsch. Sie sind laut Anbieter auf den pH-Wert der fruchtbaren Tage abgestimmt und stören die empfindlichen Samenfäden zumindest im Labor nicht. Professor Timo Strünker vom Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie der Universitätsklinik Münster hat im Auftrag von Ritex deren Kinderwunsch Gleitmittel in vitro getestet. „Wir konnten in unseren Testreihen keinerlei schädigende Wirkung des Ritex Kinderwunsch Gleitmittels auf Spermien beobachten“, sagt Strünker. Studien am amerikanischen Pre-Seed, auf dem das deutsche Prefert Vaginal Gel von Kessel Medintim basiert, kommen zu einem ähnlichen Urteil.
Keine Garantie für Empfängnis
Trotzdem ist Vorsicht geboten: „Anhand unserer In-vitro-Untersuchungen lässt sich nicht ableiten, dass die Gleitgele aktiv dabei helfen, schwanger zu werden“, so Strünker. Genau das suggerieren jedoch die Hersteller auf ihren Verpackungen. Die Faktenlage dazu ist obendrein recht dünn. Weitere Laboruntersuchungen und Praxisstudien mit Paaren mit Kinderwunsch sind erforderlich, um einen gesicherten Nachweis eines positiven Effekts auf die Empfängnisbereitschaft zu erbringen.
Schadstoffe in Gleitmitteln
Die Untersuchung von Stiftung Warentest hat gezeigt, dass fast drei Viertel der getesteten Gleitgele mit dem Gesamturteil „sehr gut“ oder „gut“ abschneiden. Insbesondere die parfümfreien Gleitgele auf Wasserbasis punkten. Vier Gleitmittel fallen jedoch mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Ein Grund für die Abwertung sind bedenkliche oder umstrittene Konservierungsmittel.
Konservierungsmittel
Im Prefert Vaginal Gel steckt Polyhexanid (PHMB), das die EU als Gefahrstoff einstuft. In Kosmetika bleibt PHMB jedoch erlaubt. Auch in Medizinprodukten wie Prefert darf es verwendet werden. Ein weiteres Konservierungsmittel, Methylisothiazolinon, ist in Kosmetikprodukten, die auf der Haut bleiben, verboten. Trotzdem ist es in einigen Gleitmitteln enthalten, da diese als Medizinprodukte eingestuft werden. Stiftung Warentest rät dringend von PHMB und Methylisothiazolinon als Konservierer ab.
PEG/PEG-Derivate und Parabene
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Verwendung von PEG/PEG-Derivaten, die die Haut durchlässiger machen können. Bei Gleitmitteln, die an empfindlichen Schleimhäuten eingesetzt werden, erscheint dies wenig sinnvoll. Außerdem fanden die Tester in einigen Gleitgelen aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH), die als krebserregend gelten. Insbesondere fettbasierte Cremes wie das Dr. Wolff Gleitgel Lipogel enthalten diese Stoffe. Silikonbasierte Gleitmittel sind besonders für längeren Gebrauch und Analverkehr geeignet, können jedoch das Hautgleichgewicht stören.
Herstellerreaktionen
Die Hersteller reagieren unterschiedlich auf die Kritik. Kessel Medintim erklärt, dass Versuche, Prefert Vaginal Gel ohne Konservierung herzustellen, im Labor gescheitert seien. Das Produkt verfärbte sich gelblich, daher wurde eine geringe Menge Polyhexanid zur Konservierung beigefügt. Anschließende Prüfungen hätten einen Einfluss auf Spermien bei der vorliegenden Rezeptur ausgeschlossen.
Testergebnisse und Empfehlungen
Stiftung Warentest empfiehlt für den reinen Spaß an der Sexfreude die „sehr guten“ wasserbasierten Gleitgele. Silikon- oder fetthaltige Mittel sollten nur in Ausnahmen zum Einsatz kommen. Bei ungeschütztem Analverkehr rät Stiftung Warentest dringend dazu, kondomsichere Gleitmittel zusammen mit Präservativen zu verwenden. Länger anhaltende Scheidentrockenheit sollte mit dem Gynäkologen besprochen werden, da sie hormonell, aber auch mit handelsüblichen Cremes behandelt werden kann.