Computer Bild - 2 Balkonkraftwerke Testsieger
2 Balkonkraftwerke im Test-Vergleich von Computer Bild
In diesem Vergleich wurden getestet:
08/2025 - Computer Bild
Inhaltsverzeichnis
Macht Growatt Balkonkraftwerke noch besser? COMPUTER BILD testet Speicher und Wechselrichter
Immer mehr Menschen nutzen Balkonkraftwerke zur eigenen Stromerzeugung – doch oft wird tagsüber mehr Energie produziert, als man verbrauchen kann. Hier setzen Stromspeicher wie der Growatt Noah 2000 an: Sie speichern den Überschuss und machen ihn abends verfügbar. Zusammen mit dem Wechselrichter Growatt Neo 800M-X hat COMPUTER BILD das System einem ausführlichen Praxistest unterzogen. Das Ergebnis: viel Technik fürs Geld, aber auch einige Hürden beim Einstieg.
Was kann der Growatt Noah 2000?
Der Growatt Noah 2000 ist ein Akku-Speicher mit 2 kWh Kapazität, der speziell für den Einsatz an Balkonkraftwerken gedacht ist. Er arbeitet nur im Zusammenspiel mit einem externen Wechselrichter, zum Beispiel dem ebenfalls getesteten Neo 800M-X. Eine Notstromversorgung ist nicht möglich – im Gegensatz zu manchen Konkurrenzsystemen, die allerdings oft fast doppelt so teuer sind.
Der Speicher kann bis zu 1800 Watt Solarleistung aufnehmen, aufgeteilt auf zwei PV-Eingänge, und gibt maximal 800 Watt wieder ab – gesetzeskonform für Balkonkraftwerke in Deutschland. Die kompakte, stabile Bauweise (Vollmetallgehäuse, 24 kg) und einfache Kabelverbindungen machen die Installation angenehm unkompliziert. Wer mehr Kapazität benötigt, kann bis zu vier Speicher stapeln – insgesamt also 8,2 kWh.
Der Wechselrichter im Praxistest
Auch beim Neo 800M-X zeigt sich Growatt technisch auf der Höhe: Zwei separate MPPT-Eingänge ermöglichen die optimierte Nutzung von zwei Solarmodulen – auch bei Teilverschattung. Die gemessene Umwandlungseffizienz von 92,4 Prozent liegt im soliden Mittelfeld, reicht aber nicht ganz an Topwerte wie beim Hoymiles HMS-800W-2T (93,5 Prozent) heran.
Besonders erfreulich: Nach Problemen bei einem Vorgängermodell zeigt der neue Wechselrichter keine erhöhten Spannungen oder Abschaltverzögerungen mehr – COMPUTER BILD bestätigt eine saubere, regelkonforme Funktion.
Einrichtung mit Stolperfallen
So solide die Hardware ist – bei der Software gibt es Nachholbedarf. Die App „ShinePhone“ verlangt bei der Einrichtung einen „Installationscode“, über den das Handbuch schweigt. COMPUTER BILD musste erst beim Hersteller recherchieren, um einen funktionierenden Code für Deutschland zu finden. Diese Hürde dürfte vor allem Einsteiger überfordern.
Hinzu kommt ein weiteres Ärgernis: Die WLAN-Verbindung gelingt nur über ein reines 2,4-GHz-Netz ohne Sonderzeichen, was in modernen Routerkonfigurationen nicht selbstverständlich ist. Hier ist technisches Wissen gefragt – oder Geduld beim Lesen von Online-Ratgebern.
App: Nützlich, aber träge
Hat man die Einrichtung geschafft, zeigt die App zwar übersichtliche Verbrauchs- und Ertragsdaten an – allerdings nicht in Echtzeit. Die Werte aktualisieren sich oft mit mehrminütiger Verzögerung. Für schnelle Analysen ist das suboptimal. Dafür bietet die App einfache Steuerungsmöglichkeiten, etwa Zeitfenster mit festgelegtem Verbrauch oder die Funktion „Batterie zuerst“ – ideal, um Solarstrom gezielt für den Abend zu speichern.
Wer sein System intelligenter regeln möchte, kann einen Smart Meter wie von Shelly einbinden, der den tatsächlichen Verbrauch im Haus misst. Die Integration ist aber nur mit Elektrofachkraft und zusätzlichem Aufwand möglich.
Fazit von COMPUTER BILD
Das Growatt-System ist preislich eine kleine Revolution: Für rund 500 Euro für den Speicher und 92 Euro für den Wechselrichter erhält man eine gut kombinierbare, leistungsfähige Lösung, die sich unkompliziert an bestehende Balkonanlagen anschließen lässt. Wer auf Komfortfunktionen wie Notstrom verzichtet und bereit ist, sich durch die schwierige Ersteinrichtung der App zu arbeiten, bekommt viel Technik für wenig Geld.