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Fake-Testseiten

Zusammenfassung

Viele Verbraucher suchen vor ihrem Kauf von vielen Produkten Rat im Internet, u.a. auch bei Google. Unter den Top 10 finden sie aber häufig auch Fake-Testseiten. Die erwecken zwar den Eindruck, Produkte getestet zu haben und küren sogar Testsieger, in Wirklichkeit fanden eigene Tests aber gar nicht statt.

Dass das Problem der „Fake-Testseiten“ im Markt sehr groß geworden ist, zeigt unser Test: Bei 100 Google Suchanfragen (mit ca. 1000 Suchergebnissen auf den jeweils ersten Seiten) haben wir bei 94% der ersten Suchergebnisseiten mindestens eine Fake-Testseite gefunden. Dabei führten 34,6% aller Suchergebnisse auf der jeweils ersten Suchergebnisseite bei Google zu Fake-Testseiten. Bei 85% der Suchen haben wir mindestens eine Anzeige für Fake-Testseiten gefunden.

Auch der Bundesverband Verbraucherzentrale e.V. sieht nach unserer Anfrage das Problem:

Generell darf man Ergebnisse anderer seriöser Tests zusammenstellen, um über ein Produkt zu infomieren. Bei den von Ihnen genannten Beispielen vergleich.org, warentest.org und spuelmaschinen-tests.de handelt es sich unserer Einschätzung nach jedoch um unlautere Werbung. Es wird der nicht zutreffende Eindruck vermittelt, dass hier Ergebnisse tatsächlich stattgefundener Tests abgebildet werden und selber getestet worden wäre. Wir prüfen zur Zeit, ob wir Abmahnungen aussprechen.

Kerstin Hoppe, Referentin Team Rechtsdurchsetzung Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Kurz nach dieser Stellungnahme vom 19.12.2016 hat der Bundesverband die Betreiber der dort aufgeführten Seiten dann abgemahnt. Die Betreiber haben auf diese Abmahnungen bereits darauf reagiert (siehe "Reaktionen auf den Test").

Einleitung

Sucht man auf duden.de nach der Bedeutung des Wortes „Test“, erfährt man Folgendes

Test der

Wortart: Substantiv, maskulin

BEDEUTUNGSÜBERSICHT:

nach einer genau durchdachten Methode vorgenommener Versuch, Prüfung zur Feststellung der Eignung, der Eigenschaften, der Leistung o. Ä. einer Person oder Sache

Dabei sind vor allem zwei Eigenschaften eines Tests wichtig: die Systematik des Tests und die wirkliche Überprüfung der Eigenschaften eines Produkts oder Dienstleistung.

Wo Test draufsteht, sollte also auch ein Test drin sein. Der Verbraucher wird dabei aber nicht nur mit einer immer größer werdenden Flut von Testsiegeln von diversen Testinstituten konfrontiert, sondern muss sich gerade bei Produkttests immer häufiger die Frage stellen, ob überhaupt irgendetwas getestet wurde. Eine immer größer werdende Zahl von Webseitenbetreibern fabriziert nämlich Testseiten, ohne Produkte selber getestet zu haben.

Der Grund hierfür: die Betreiber möchten Produkte empfehlen und leiten zu Online-Shops weiter, um für diese Weiterleitung eine Provision zu erhalten. In den meisten Fällen am Markt profitiert vor allem ein Online Shop von den Fake-Testseiten: amazon.

Auf diese „Nischenseiten", wie sie in der Online Marketing Szene genannt werden, stößt man vor allem, wenn man bei Google nach Produkten, Produkttests und Testsiegern sucht. Um einen Eindruck davon zu geben, wie groß das Problem geworden ist, haben wir getestet, wie oft solche „Fake-Testseiten“ in den Google Suchergebnissen auftauchen, wenn ein Kunde nach Testsiegern sucht.

Test-Setup

  • Wir haben bei google.de nach 100 Suchbegriffskombinationen „Produktkategorie“ + Testsieger“, z.B „Matratzen Testsieger“, „Geschirrspülmaschinen Testsieger“ etc.. Eine vollständige Liste der Suchbegriffskombinationen finden Sie in einer detaillierten Liste am Ende des Testberichtes.
  • Die Suche nach diesen Suchbegriffskombination soll exemplarisch zeigen, ob und wie häufig Fake-Testseiten in den Google Suchergebnissen zu finden sind und bildet beispielhaft nach, wie sich Verbraucher über Produkte informieren. U.a. auch, indem sie bei Google nach Tests, Testsieger oder besten Produkten suchen.
  • Bei diesen 100 Google Suchanfragen haben wir jede Seite untersucht, die auf der ersten Suchergebnisseite in den natürlichen Suchergebnissen und innerhalb einer Anzeige aufgeführt wurde.
  • Als Fake-Testseiten haben wir Testseiten eingeordnet, bei denen wir stichhaltige Belege dafür gefunden haben, dass Produkte nicht selber getestet wurden, für einen nicht unerheblichen Teil der User zum Zeitpunkt der Überprüfung erweckt wurde. Dies waren u.a. Hinweise der Webseitenbetreiber selber, dass die „Tests“ lediglich auf Internet-Recherchen zu den jeweiligen Produkten basieren. Ebenso haben wir Seiten eingeordnet, die unwahre Angaben über Redakteure gemacht haben, wie z.B. die Redakteure zu erfinden.
  • Testzeitraum: 1.12.-19.12.2016

Testkandidaten

Die Suchbegriffskombinationen haben wir in einer detaillierten Liste am Ende des Testberichtes aufgeführt.

Testergebnis - Zusammenfassung

Bei 100 Google-Suchanfragen haben wir:

  • auf 94% der ersten Seite der Google Suchergebnisse mindestens eine Fake-Testseite gefunden.
  • von den dabei ca. 1000 aufgeführten Seiten waren 34,6% Fake-Testseiten.
  • Wir haben Fake-Testseiten auf 206 unterschiedlichen Domains gefunden, teilweise werden diese Domains / Seiten durch die gleichen Betreiber(-gesellschaften) angeboten.
  • Die Verteilung der Anzahl auf der ersten Seite gefundenen Fake-Testseiten war dabei wie folgt:
    • 1 Fake-Testseite: 13
    • 2 Fake-Testseiten: 18
    • 3 Fake-Testseite: 18
    • 4 Fake-Testseiten: 16
    • 5 Fake-Testseite: 8
    • 6 Fake-Testseiten: 13
    • 7 Fake-Testseiten: 5
    • 8 Fake-Testseiten: 1
    • 9 Fake-Testseiten: 2
    • 10 Fake-Testseiten: 0
  • Zudem wurden bei 85% der Suchanfragen mindestens eine Google Anzeige zu einer Fake-Testseite angezeigt.
  • Die Verteilung der Anzahl auf der ersten Seite angezeigten Anzeigen für Fake-Testseiten war dabei wie folgt:
    • 1 Anzeige für eine Fake-Testseiten: 44
    • 2 Anzeigen für Fake-Testseiten: 24
    • 3 Anzeigen für Fake-Testseiten: 6
    • 4 Anzeigen für Fake-Testseiten: 9
    • 5 Anzeigen für Fake-Testseiten: 1
    • 6 Anzeigen für Fake-Testseiten: 1

Testergebnis - Beispiele

Die hier gezeigten Beispiele zeigen die Seiten im Testzeitraum. Nach unserer Anfrage und der Abmahnung durch den VZBV wurden auf einigen Seiten diverse Änderungen vorgenommen (siehe Abschnitt „Reaktionen auf den Test und Abmahnung durch VZBV“).

Aufgrund der Vielzahl der unterschiedlichen Fake-Testseiten zeigen wir an dieser Stelle exemplarisch mehrere Seiten als Beispiele.

  • Vergleich.org
    • Vergleich.org wird durch die VGL Verlagsgesellschaft mbH in Berlin betrieben. Geschäftsführer: Alexander Schneider, Valentin Dushe, Leonard Quack
      Vergleich.org<
    • Auf Vergleich.org wurde u.E. zum Zeitpunkt der Überprüfung während des Testzeitraumes der Eindruck erweckt, dass hier eigene Tests stattgefunden haben. Die Überschrift der jeweiligen Tabelle lautete „*Produktname“ Test 2016. Es wurde jeweils ein eigener Testsieger ausgezeichnet, der in der Tabelle extra hervorgehoben wurde.
    • In einer winzigen Fußnote wurde auf vergleich.org allerdings erklärt:

      „Anders als andere Testmagazine hatten wir die Produkte jedoch zum Teil nicht selbst in der Hand, sondern beziehen uns bei unserem Testergebnis auf technische Daten, andere Testberichte, Kundenmeinungen und Experteninterviews.“
    • So wurde es auch auf der Seite „wie wir testen“ dargestellt. Dort hieß es allerdings auch:

      „Dafür nutzen wir einen eigens entwickelten Benchmarking-Prozess, der es ermöglicht, die Vor- und Nachteile eines jeden Produktes aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten. Indem wir hunderte von verschiedenen Rezensionen lesen und gewaltige Mengen an Informationen analysieren, arbeiten wir die besten Produkte heraus. Unser Testergebnis wird aus diversen unterschiedlich gewichteten Parametern zusammengefasst, wie beispielsweise:“

      Von eigenen Produkttests war hier nicht mehr die Rede.
    • Weiter unten auf der Seite hieß es dann:

      „Wir errechnen ein Testergebnis aus vielen Einzelnoten"
    • Die Fußnote, die darauf hinweist, dass man „einzelne Produkte“ nicht in der Hand gehabt hätte, wurde erst kürzlich hinzufügt. Noch Ende Oktober 2016 beruft man sich auf „aggregierte Durchschnittswerte“ siehe archive.org
    • VGL hat auch die Webseite heimwerker.de übernommen. Problematisch hierbei: der User konnte noch weniger erkennen, dass die Testtabellen, wie z.B. Strandhelme nicht auf echten Tests beruhen, da die frühere Redaktion von heimwerker.de selber getestet hat.
    • Ebenso arbeitet man auch mit anderen Partnern zusammen, die die oder einen Teil der Testtabellen auf ihren Seiten eingebunden haben, wie z.B. dem Verband für bürgernahe Verkehrspolitik e.V., der die Seite bussgeldkatalog.org betreibt, wie man hier bei Google sehen kann. Auch bei diesen Testtabellen wurden die Vergleiche als Tests und Testsieger ausgewiesen.
  • Warentest.org
    • Warentest.org, deren Name stark an die Stiftung Warentest erinnerte, wurde durch die DA Digitale Arbeit GmbH aus Bad Fallingbostel betrieben. Geschäftsführer ist hier Kenny Schmahl. Warentest.org erinnerte nicht nur vom Namen her an Stiftung Warentest, sondern von der Aufmachung her auch an vergleich.org.
    • Die ähnliche Aufmachung wie bei vergleich.org ist wahrscheinlich auch kein Zufall. Ein Auszug aus dem Handelregister zeigt die Liste der Gesellschafter: zu 50% an der GmbH beteiligt ist die Dushe Beteiligungsgesellschaft mbH mit Sitz in Berlin. 100% Eigentümer dieser Beteiligungsgesellschaft: Valentin Dushe, Geschäftsführer und Gesellschafter der VGL Verlagsgesellschaft, die vergleich.org betreibt.
      Warentest.org
    • Auch bei warentest.org wurde u.E. der Eindruck vermittelt, dass es sich um eigene Tests handelt. Auch hier wurden Testsieger-Auszeichnungen vergeben.
    • Auch warentest.org schrieb ähnlich wie vergleich.org

      „Im Gegensatz zu klassischen Verlagen, wie beispielsweise der Stiftung Warentest, testen wir die einzelnen Produkte nicht im eigentlichen Sinne, sondern aggregieren vielmehr durch eine aufwendige Recherche"
  • Staubsauger.net
    • Staubsauger.net wird von der GFDK Gesellschaft für digitale Kaufberatung mbH betrieben, Geschäftsführer ist hier ebenfalls Valentin Dushe, der auch Geschäftsführer der VGL Verlagsgesellschaft GmbH ist.
    • Die Gesellschaft betreibt mehrere Testseiten, die auf einzelne Produktkategorien optimiert sind, wie z.B. Laufband.org, kopfhoerer.com, kuehlschrank.com, schlafsack.net und staubsauger.net.
    • Auch auf staubsauger.net findet man einen Hinweis, dass man viele Produkte nicht selbst getestet hat, hier bleibt unklar, welche Produkte man überhaupt selbst getestet hat:

      „Wir führen unsere Tests neutral, objektiv und sachkundig durch. Anders als z.B. die Stiftung Warentest hatten wir die Produkte jedoch zum Teil nicht selbst in der Hand“
    • Anders als bei den Seiten von Warentest.org, vergleich.org sieht man auf der Seite selber nicht das Wort „Testsieger“, wenn man über google auf die Seite stößt, kann der User allerdings den Eindruck bekommen, dass es sich hier um Testsieger handelt, der Seitentitel lautet „Testsieger im Vergleich".
      Staubsauger.net
  • spuelmaschinen-tests.de
    • Diese Seite wird von einer Einzelperson betrieben, Fritz Recknagel aus Schmalkalden.
    • Solche Seiten wie spuelmaschinen-tests-de sind typisch für viele einzelne Fake-Testseiten, die von oft sehr jungen und geschäftlich unerfahrenen Einzelpersonen betrieben werden.
    • Fritz Recknagel betreibt allerdings nicht nur mehrere Fake-Testseiten, sondern bietet auch Videokurse für „Nischenseiten“ an, in denen er zeigt, wie man diese Nischenseiten erstellt. In seiner Facebook Gruppe stellen Teilnehmer seines Kurses reihenweise Fake-Testseiten.
      spuelmaschinen-tests.de
    • Auch auf dieser Seite wird der Eindruck erweckt, dass man die Produkte getestet habe. Man schreibt von „Testberichten“, Tests, Testsiegern, bzw. kürt einen Leistungssieger.
    • Lediglich in einer leicht zu übersehenden „Über uns Box“ heißt es

      „Unsere Testberichte basieren auf mehreren verschiedenen Testquellen, damit Wir Dir eine umfassende Produktbewertung bieten können. Neben den Testnoten anderer Testportale haben auch Amazon Kundenbewertungen maßgeblich einen Einfluss auf unsere Bewertung.“

      Im Klartext heißt das: Die Produkte wurden nicht selber getestet.

Exkurs: Zusätzlich zu den obigen Beispielen möchten wir noch eine andere Art von Tests vorstellen, die wir ebenfalls als problematisch erachten:

Tests und Testsiegerauszeichnungen von Eigenmarken eines Online-Shops.

  • matratzen-test-sieger.de
    • Im Rahmen unseres Test sind auf diese Seite gestoßen, haben sie aber nicht als „Fake-Testseite“ gewertet, weil wir nicht bezweifeln, dass Produkteigenschaften hier überprüft wurden
    • Matratzen-test-sieger.de wird von der Bettzeit GmbH betrieben, die auch den Online-Shop dormando.de betreibt.
    • Noch vor kurzem wurden hier Produkte von Marken im Test vorgestellt, die Eigenmarken von der Bettzeit GmbH sind, z.B. „Somneo“ – ein schnell sichtbarer Hinweis darauf, man hier eine Eigenmarke testete, fehlt (siehe hier)

      Die von uns überprüften Tests von Eigenmarken sind derzeit nicht mehr auf der Seite vorhanden, z.B. matratzen-test-sieger.de

      Ebenfalls mit einem Test beworben hat man ein Produkt einer Tochterfirma, die Matratze „Emma“, laut Google Cache (nicht mehr verfügbar) war der Test noch im September 2016 online.

      Zu diesem Zeitpunkt wurde bei dieser Matratze lediglich durch einen leicht übersehbaren Hinweis am Anfang der Seite darauf hingewiesen:

      „Die Bewertungen von Dormando-Schlafexperten stammen von der Bettzeit GmbH, die Dormando betreibt. Der Hersteller der Emma Matratze ist ein verbundenes Unternehmen.“

      Unterhalb des Produktbildes noch durch den Hinweis

      „So bewerten Dormandos Schlafexperten die Matratze Die Emma Matratzen GmbH ist eine Tochterfirma der Bettzeit GmbH“
    • Während die Tests der Eigenmarken auf matratzen-testsieger.de zum Überprüfungszeitpunkt während des Testzeitraumes nicht mehr verfügbaren waren, konnte man auf anderen Seiten der Bettzeit GmbH zu diesem Zeitpunkt noch Tests und Auszeichnungen als Testsieger finden.
    • Auf boxspringbett-erfahrung.de/boxspringbett-pruefung wurde das Boxspringbett „Lövgren Storebror“ als „Boxspringbett Testsieger 2016“ ausgezeichnet. Dass dies eine Eigenmarke ist, bekam nur der aufmerksame Leser mit. Unter „Hersteller“ wurde aufgeklärt

      „Informationen zum Hersteller Dieses Boxspringbett ist ein Produkt der Bettzeit GmbH, die auch den Online-Shop Dormando betreibt.“
    • Auf bettdecke-test.de wurde z.B. die Dormessa Daunendecke Chambord als Testsieger ausgezeichnet, auch Dormessa ist eine Eigenmarke von der Bettzeit GmbH. Auch hier muss der Leser die Informationen unter „Hersteller“ auf der jeweiligen Seite des Testberichtes lesen, um den Hinweis zu lesen, dass die Decke ein Produkt des Betreibers ist. Auf der Startseite, die auch direkt zum Online Shop verlinkt, haben wir den Hinweis nicht gefunden.
    • Auch im Online Shop von dormando.de findet man Test und Testsieger Auszeichnungen, z.B. einen „Kaltschaummatratze Test“ – Testsieger: die Somneo Kaltschaummatratze, eine Eigenmarke.

      Dort wird zwar zum jetzigen Zeitpunkt weit unten auf der Seite darauf hingewiesen, dass es sich bei den dort beworbenen Matratzen um Eigenmarken handelt, der Hinweis unterhalb des Textes war am 15.12.2016, vor unseren Anfrage bei der Bettzeit GmbH am 16.12.2016 allerdings dort noch nicht zu sehen. Erst kurz nach unserer Anfrage wurde der Hinweistext hinzugefügt.
      Dormando.de
    • Letzten Endes fragen wir uns, wie objektiv und neutral Mitarbeiter einer Firma, bzw. das Unternehmen selbst, Produkte eigener Marken testen und mit Produkten anderen Hersteller vergleichen kann und wie neutral solche Testsieger sind. Unseres Erachtens ist es für einen nicht unerheblichen Teil der Kunden irreführend, wenn eine Firma den Eindruck erweckt, einen neutralen Test von Produkten am Markt durchzuführen, dann aber eigene Produkte von Eigenmarken in den Test aufnimmt, wie z.B bei diesem Test

Stellungnahmen

Nach unserem Test haben wir exemplarisch die Betreiber von vergleich.org, warentest.org, staubsauger.net und spuelmaschinen-tests.de, wie auch dormando.de um Stellungnahme gebeten.

Ebenfalls haben wir amazon, welches u.a. von diesen Seiten beworben wird, um Stellungnahme gebeten, wie auch den VZBV, den Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Amazon

Amazon wollte sich nicht zur Problematik und den von uns beschriebenen Beispielen äußern und hat eine offizielle Stellungnahme abgelehnt.

Verbraucherzentrale Bundesverband e.V

Kerstin Hoppe, Referentin Team Rechtsdurchsetzung Verbraucherzentrale Bundesverband e.V:

Generell darf man Ergebnisse anderer seriöser Tests zusammenstellen, um über ein Produkt zu infomieren. Bei den von Ihnen genannten Beispielen vergleich.org, warentest.org und spuelmaschinen-tests.de handelt es sich unserer Einschätzung nach jedoch um unlautere Werbung. Es wird der nicht zutreffende Eindruck vermittelt, dass hier Ergebnisse tatsächlich stattgefundener Tests abgebildet werden und selber getestet worden wäre. Wir prüfen zur Zeit, ob wir Abmahnungen aussprechen.

Betreiber

Valentin Dushe, Geschäftsführer GFDK Gesellschaft für digitale Kaufberatung mbH

Auf den Webseiten der GFDK findest Du eine Vielzahl Vergleiche, Einschätzungen und Testberichte unserer Autoren. Es stimmt, dass wir einen Teil der Produkte jedoch (noch) nicht selbst in der Hand gehalten haben, sondern uns bei unserer Einschätzung auch bzw. in diesen Fällen vor allen auf technische Daten, andere Testberichte, Kundenmeinungen und Experteninterviews beziehen. Dies ermöglicht uns beispielsweise Langzeiterfahrungen einzubringen und unsere Testberichte fortlaufend aktuell zu halten.

Einen Testsieger zeichnen wir auf den Portalen der GFDK nicht aus, die Sortierung erfolgt deswegen lediglich nach Beliebtheit (Anzahl der Klicks) und nicht nach Einschätzung unserer Autoren (Sterne). Auf Webseiten, auf denen wir nicht sämtliche Produkte selbst in der Hand gehalten haben, weisen wir zudem deutlich und mehrfach auf unser Testverfahren und die Testkriterien hin. Uns ist kein Fall bekannt, indem sich ein Besucher unzureichend informiert gefühlt hat.

Geschäftsführung VGL Verlagsgesellschaft mbH

Vergleich.org wurde mit dem Hintergedanken gegründet, mehr Transparenz und Vergleichbarkeit in die Online-Kaufberatung zu bringen. Dazu führen unsere Redakteure aufwändige Recherchen durch, fragen bei Herstellern technische Daten an und bestellen auch Produkte, um diese vor Ort zu begutachten. Wir sind schon heute davon überzeugt, das Internet durch neue und bisher nicht verfügbare Informationen zu bereichern, da wir die Arbeit unserer Redakteure vor Ort kennen. Im Unterschied zu anderen Magazinen sind bei uns 95% der Redakteure fest angestellt, weil wir nur so auf Dauer Mitarbeiter finden und halten können, mit denen wir zusammen eine hohe inhaltliche Qualität erreichen.

Dass wir im Regelfall keinen vergleichenden Vor-Ort-Test durchführen, ist grundsätzlich zutreffend. Deswegen weisen wir darauf deutlich sichtbar und an mehreren Stellen unserer Webseite hin, z.B.

- Unmittelbar in Nähe unseres Testsiegels innerhalb der Tabelle durch eine hochgestellte und klickbare (!) Eins sowie einem deutlich sichtbaren Link "Hinweise zum Testverfahren". Das ist deutlich mehr als im Marktvergleich üblich (bspw. Telekommunikation)
- Auf der eigenes dafür eingerichteten und seitenweit verlinkten Unterseite "Wie wir testen"
- In Textform im Footer jeder Unterseite der Webseite
- In Rahmen unserer Nutzer-Studien stellen wir fest, dass sich unsere Leser ausführlich über unsere Testkriterien informieren und sich unserer Testmethodik bewusst sind.

Das ändert nichts daran, dass wir mit der Zeit immer mehr Produkte selbst vor Ort begutachten und unser Budget dafür stetig erhöhen.

Unser Ansatz unterscheidet sich hier jedoch von anderen Testmagazinen: wir werden auch bei Vor-Ort-Testberichten nicht darauf verzichten, die langfristigen Kundenerfahrungen und andere Testberichte mit in unsere Note einzubeziehen. Wir halten das für unabdingbar, um zu einem ausgeglichenen Ergebnis zu kommen. Darüber hinaus sind für den Verbraucher Testergebnisse nur dann wertvoll, wenn sie sich auf noch aktuell verfügbare Produkte beziehen. Viele Portale gehen darüber hinaus den Weg, bestehende Testberichte anderer Medien nach einer fixen Formel zusammen zu rechnen. Wir halten die Dienstleistung dieser Portale für enorm wichtig und wertvoll. Wegen der unterschiedlichen Notenskalen sind wir aber der Meinung, dass die daraus resultierenden Ergebnisse für den Verbraucher nur manchmal nutzbar sind. Er weiß in der Regel nicht, in welcher Notenspanne sich die Ergebnisse eines bestimmten Testmagazins üblicherweise bewegen. Ihm fehlt dann das Fachwissen, um das Ergebnis angemessen beurteilen zu können.

Reaktionen auf den Test und Abmahnung durch VZBV

Nach unserem Test und der Anfrage an den Verbrauchzentrale Bundesverband e.V. (VZBV) hat dieser noch in 2016 die Betreiber von warentest.org, vergleich.org und spuelmaschinen-tests.de, die 3 Beispiele, die wir dem Bundesverband genannt hatten, abgemahnt.

Die Betreiber scheinen sich den Abmahnungen zumindest teilweise zu fügen und haben Einiges geändert.

Vergleich.org

  • Auf vergleich.org lauten z.B. die Überschriften der Vergleichstabelle nun nicht mehr „Produktkategorie* Test“, sondern „Produktkategorie Vergleich“.
  • Ausgezeichnet werden Produkte nicht mehr als „Testsieger“, sondern als Vergleichssieger“. Ebenso wird in der Tabelle nicht mehr von „Testergebnis“ gesprochen, dieser Ausdruck wurde in „Vergleichsergebnis“ geändert.
  • Diese Änderungen sind auch auf Partnerseiten zu finden, die die Tabellen auf Ihrer Webseite integriert haben, wie z.B. bussgeldkatalog.org.
  • Nach wie vor finden wir aber unseres Erachtens irreführende Formulierungen in den Texten unterhalb der Vergleichstabellen. Bei einem Matratzen Vergleich heißt es im Text: https://www.vergleich.org/matratzen/
  • „In unserem Matratzen Test 2016 / 2017 nehmen wir für Sie verschiedene Produkte unter die Lupe“
  • „Im Folgenden finden Sie in unserem Matratzen Test 2016 / 2017 Pro und Contra für die verschiedenen Matratzen-Materialien.“
  • Zudem wird auch in Anzeigen, die zu den Vergleichen führen, weiterhin das Wort Test verwendet.

warentest.org

  • warentest.org ist nicht mehr unter dieser Domain zu finden, die Domain leitet weiter auf warenvergleich.org. Auch hier wird auf den Seiten der Vergleiche in der Überschrift nicht mehr das Wort Test verwendet, sondern nur noch der Ausdruck „Vergleich“.
  • Ebenfalls gibt es dort keine Testsieger mehr bei den Tabellen, die wir geprüft haben, sondern nur noch „Vergleichssieger“. Der Ausdruck „Testergebnis“ wurde ebenfalls auch hier in „Vergleichsergebnis“ geändert.
  • Auch bei warenvergleich.org wird allerdings in Texten noch von „Test“ gesprochen, wie z.B. unterhalb einer Tabelle für Grillgeräte: „In unserem Grill Test widmen wir uns den drei wichtigsten Varianten, bei denen in der Art der Anfeuerung unterschieden wird.“

spuelmaschinen-tests.de

  • Auch der Anbieter von Spuelmaschinen-tests.de, Fritz Recknagel, hatte seine Seite kurzzeitig angepasst. Auf der Startseite z.B. wurde „Spülmaschinen Test 2016 – Die Testsieger“ in „Spülmaschinen Check 2016 – Finde Deinen Favoriten“ geändert. Auch in den Texten wurden teilweise Formulierungen, die vermuten lassen, man hätte selber getestet.
  • In der letzten Woche wurden die Änderungen allerdings wieder rückgängig gemacht.

staubsauger.net

  • Bei Staubsauger.net wird z.B. in den Ergebnislisten nicht mehr das Wort „Test“ erwähnt, der Link zu den einzelnen Produktseiten heißt jetzt „Details“.

Fazit

Unser exemplarischer Test zeigt deutlich: Fake-Testseiten sind am Markt leider keine Einzelfälle, sondern haben sich in den Google Suchergebnissen breit gemacht. Dies ist nicht nur bei der Suche nach „Testsiegern“ zu beobachten, sondern auch bei der Suche nach Tests oder nach Produktnamen. Die Seiten werden sowohl durch Einzelpersonen betrieben, oft auf inhaltlich und gestalterisch sehr unprofessionellem Niveau, oft aber auch durch professionell aufgebaute Unternehmen, die Seiten mit Millionen Besuchern im Monat hochgezogen haben.

Statt Produkte selber zu testen, werden für den Kunden nicht nachvollziehbar Kundenerfahrungen ab- und zusammengeschrieben, vielleicht noch gemischt mit oft noch nichteinmal erwähnten Testberichten seriöser Magazine. Gerade die Zweitverwertung von Kundenberichten ist problematisch, da Kunden generell keine Tests durchführen, sondern lediglich Erfahrungsberichte schreiben. Dabei fehlen allerdings das System eines Tests und die Vergleichbarkeit durch das Testen von mehreren Produkten.

Die Betreiber der Seiten denken oft, das zeigen auch die Stellungnahmen, dass Fußnoten oder Hinweise darauf, dass ihre Tests oft keine eigenen Tests sind , ausreichend wären, damit der Verbraucher nicht in die Irre geführt werden. Viele Betreiber sind auch der Meinung, dass sie als „einer von vielen“ unterhalb des Radars der Verbraucherzentralen laufen und nichts befürchten haben. Andere kennen sich wiederum gar nicht mit den rechtlichen Erfordernissen des Wettbewerbsrechts aus, beispielsweise haben wir in einigen Facebook Gruppen viele Webseitenbetreiber gesehen, die noch nicht einmal volljährig waren.

Nach unserer Einschätzung und Beobachtung profitiert derzeit vor allem amazon von den Fake-Testseiten, kein anderer Shop wurde auf den von uns geprüften Fake-Testseiten so oft beworben wie amazon. Gründe dafür können u.E. unter anderem die recht unkomplizierte Anmeldung als amazon Affiliate und die Breite des Produktsortiments sein. Denn die Betreiber der Fake-Testseiten werden nicht nur vergütet, wenn der Kunde ein direkt beworbenes Produkt kauft, sondern auch, wenn er in einem gewissen Zeitrahmen nach der Weiterleitung auf amazon ein anderes Produkt kauft.

Die von uns vorgestellten Beispielseiten sind dabei nur ein kleiner Ausschnitt aus einer sehr großen Masse von tausenden Fake-Testseiten, deren Anzahl nur ansatzweise geschätzt werden kann. Das Problem der Fake-Testseiten wird unserer Einschätzung nach in Zukunft noch größer, sollten Amazon, bzw. andere Händler, die auch beworben werden ihre Affiliate Partner nicht besser prüfen.

Vor allem die User von Google werden dadurch in die Irre geführt, dies ist wahrscheinlich der stärkste Traffic-Kanal der Fake-Testseiten. So wird das Problem der fehlenden Prüfung von Werbepartnern von Online Shops, die Tests und Testsieger erfinden, nicht nur zum Problem der User, die statt neutraler Test oft nur noch Werbe“test“berichte vorfinden, sondern unseres Erachtens auch zum Glaubwürdigkeitsproblem für Google.

Ebenso können die Tests und Testsiegerauszeichnungen für Händler und Hersteller zum Problem werden, wenn sie diese unlauteren „Testergebnisse“ Auszeichnungen übernommen und damit geworben haben, wie z.B. bei vergleich.org. Dieser Hersteller z.B. hat kurz vor Weihnachten, am 23.12.2016 noch mit einem Testsieg bei vergleich.org geworben. Was der Hersteller nicht ahnen konnte: zu diesem Zeitpunkt war die Abmahnung der Verbraucherschützer beim Betreiber von vergleich.org schon eingetroffen. Unseres Erachtens sind alle Händler, die mit diesen Auszeichnungen werben abmahngefährdet.

Am meisten Schaden dabei nehmen aber als erstes seriöse Testpublikationen, die Produkte seriös testen, aber nach durch die immer größer werdende Anzahl von dubiosen und irreführenden Webseitenbetreibern aus den Google Suchergebnissen verdrängt werden und damit wichtigen „Traffic“ und Sichtbarkeit verlieren.

Wir hoffen, dass unser Test dazu beiträgt, dass das Problem der Fake-Testseiten auch mehr von der Öffentlichkeit wahrgenommen und vielleicht auch durch Google selber wahrgenommen und über eine Verbesserung der Situation am Markt nachgedacht wird. Auch wenn einige große Anbieter abgemahnt wurden und Fake-Tests zu einem großen Teil abgeändert haben wird das Problem wahrscheinlich nicht über Nacht verschwinden. Wünschenswert wäre auch eine Reaktion von Amazon und anderen Händlern, denn letztlich sind es ihre Werbepartner und letzlich sind sie es, die die Fake-Testseiten fürstlich entlohnen.

Detaillierte Liste der Suchbegriffskombinationen

Daniel Brückner - 10.01.2017
Tel. +49 1577 7913525

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