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Teure bunte Pappe? - Adventskalender im Vergleich

Advendskalender im Vergleich

Der Countdown läuft. Alle Jahre wieder werden pünktlich am 1. Dezember oder am Abend davor Adventskalender in Millionen von Haushalten aufgehängt. Manche werden selber gebastelt, manche lieber gekauft.

Einleitung

Da die Auswahl an Kalender riesig ist, haben wir bei den „Kaufkalendern“ angeschaut, wieviel Schokolade oder Schokoladenprodukte in den Adventskalendern eigentlich drin ist und haben einen fiktiven Kilogrammpreis für den Schokoladeninhalt errechnet. (Wir sagen „fiktiv“, weil es natürlich auch höhere Kosten für die Verpackung und Transport gibt als bei anderen Verpackungen. Zudem müssen die Händler und Hersteller auch die Kosten einberechnen, die sich aus nicht verkauften Adventskalender oder Ausschussware ergeben, z.B. wenn Kunden beim Hochheben aus Versehen die Türchen eindrücken.)

Das Test-Setup

  • Wir haben 11 Berliner Supermärkte, bzw. Lebensmittelabteilungen und Discounter ausgewählt.
  • Dort haben wir Angaben zum Nettoinhalt und Preise von 107 Adventskalendern geprüft und dann einen Kilogrammpreis für den Inhalt errechnet.
  • Zum Vergleich haben wir die Angaben zum Nettoinhalt und Preise von 18 Schokoladenprodukten geprüft und auch hier einen Kilogrammpreis für den Inhalt errechnet. Wir haben nicht für alle Marken / Hersteller die „Normalpreise“ erfasst, insofern ist das Ergebnisdiagramm in diese Richtung nur eingeschränkt interpretierbar, denken aber, dass die Übersicht einen guten groben Überblick bietet.
  • Die Preise wurden am 21., 22. Und 23.11.2016 erfasst.

Die Testkandidaten

  • Kaiser´s , Fürstenberger Str. 8, 10435 Berlin
  • Edeka, Friedrichstraße 147, 10117 Berlin
  • Rossmann, Friedrichstraße 141a-142 Berlin
  • Galeries Lafayette, Französische Straße 23, 10117 Berlin
  • Rewe, Friedrichstraße 67-70, 10117 Berlin
  • Temma, Friedrichstraße 67-70, 10117 Berlin
  • Bio Company, Friedrichstr. 136, 10117 Berlin
  • Penny, Alt-Moabit 9, 10557 Berlin
  • Aldi, Schwedter Straße 83, 10437 Berlin
  • Lidl, Choriner Straße 64, 10435 Berlin
  • Kadewe, Tauentzienstraße 21-24, 10789 Berlin

Das Testergebnis - Zusammenfassung

Adventskalender Kilopreise

  • Verteilung Verkaufspreise (%-Zahlen gerundet)
    • 49% aller Adventskalender (52) haben unter 10€ gekostet
    • 30% von 10-20€ (32)
    • 21% von 20-30€ (22)
    • Nur 1 Kalender hat über 30€ gekostet
  • Verteilung Kilogrammpreise (% Zahlen gerundet)
    • 18% aller Adventskalender haben einen Kilogrammpreis von <25€
    • 34% liegen bei 25-50€
    • 29% bei 50-75€
    • 17% bei 75€-100€
    • Bei 3 Adventskalendern liegt der Kilogrammpreis sogar über 100€
  • Billigster / Teuerster Adventskalender
    • Den billigsten Adventskalender gab es bei Lidl für 75 Cent, den teuersten beim Kadewe für 49€. Diese beiden Kalender waren auch relativ die billigsten: Favorina bei Lidl für 10€/kg und ein Kalender von Chocolat Chapon beim Kadewe mit 257,89€/kg. Beim Kalender von Chocolat Chapon (siehe Bild unten) muss aber fairerweise darauf hingewiesen werden, dass der Adventskalender sehr hochwertig wirkte und auch für weitere Befüllungen in den nächsten Jahren wiederverwendet werden kann. Der Adventskalender ist Form eines Weihnachtsbaumes, bei dem man kleine Schubladen herausziehen kann. Auf Platz 2 und Platz 3 der Kalender mit den teuersten Kilogrammpreisen landen „Dolfin Assortements“ und „Les chocolat des Francais aus den Galeries Lafayette. Billigster / Teuerster Adventskalender
    • Durchschnitts-Kilogrammpreise der Nettoinhalte der Adventskalender: Diese Durchschnittspreise sind natürlich kein genauer Durchschnitt, geben unseres Erachtens aber einen guten Eindruck über das Sortiment (mit Ausnahme der Läden, die nur 1-2 Produkte hatten). Spitzenreiter, wie zu erwarten: die Galeries Lafayette und das Kadewe.
      • Kaisers: 58,95€
      • Edeka: 45,95€
      • Rossmann (nur 2 Produkte): 39,64€
      • Galeries Lafayette: 68,56€
      • Rewe: 34,30€
      • Temma (nur 1 Produkt): 39,87€
      • Penny: 34,59€
      • Aldi: 25,35€
      • Lidl: 13,55€
      • Kadewe: 77,78€
    • Die Kilogrammpreise der „normalen“ Schokoladeprodukte aus der Stichprobe liegen weit unter den Kilogrammpreisen des vergleichbaren Inhalts der Adventskalender (in den Detailergebnissen sind alle Preise gelistet)
      • Kinder Riegel 11,38€
      • Kinder Schokobons 10,62€
      • Ritter Sport Alpenmilch 10,90€
      • Ritter Sport Honig Salz Mandel 12,90€
      • Milka Alpenmilch 10,90€
      • Kinder Schokolade 10,32€
      • Lindor 29,12€
      • Lindt Edel Nougat 19,90€
      • Lindt Hello Strawberry Cheesecake 22,00€
    • Interessante Nebenbeobachtung: Die Händler, bei denen wir rechiert haben, haben sich an die von Lindt empfohlenen Preise gehalten. Im Luxuskaufhaus Kadewe kostete der Kalender also nicht mehr als bei Edeka.
    • Größte Preisdifferenz zwischen den Geschäften haben wir beim „After Eight“ Turm gesehen: 10,99€ bei Rossmann, und 17,98€ beim Kadewe. Das bedeutete gleichzeitig einen Unterschied beim Kilogrammpreis von 37,78€.

    Fazit

    Fertige Adventskalender sind ein Convenience-Produkt. Ohne großen Zeitaufwand hat man 24 kleine oder große Überraschungen für die Liebsten und versüßt Ihnen die Adventszeit bis Heilig Abend. Diese Zeitersparnis und ein bisschen bunte Pappe lassen sich viele Kunden scheinbar etwas kosten.

    Während die Packung Lindor einen Kilogrammpreis von 29,12€ aufweist, hat der Lindor Adventskalender einen fiktiven Kilogrammpreis von 62,03€. Noch deutlicher wird der Unterschied bei der hipperen „Hello“ Marke von Lindt. Hier hat z.B. die „Hello“ Schokolade „Strawberry Cheesecake“ einen Kilogrammpreis von 22€, der „Hello“ Kalender in Form eines Weihnachtsmannes, der untern anderem mit Strawberry Cheesecake Ministicks gefüllt ist, weist einen Kilogrammpreis von 80,43€ auf. Normale Milka Alpenmilch wiederum kostet 10,90€ pro Kilogramm, ein Milka Adventskalender mit Mischung aus Alpenmilch Schokolade mit einer Milchcrèmefüllung (47%) und AlpenmilchSchokolade hat einen fast vierfach so hohen Kilogrammpreis von 39,95€. In die Höhe schießen die Kilogrammpreise auch, wenn die Pfefferminzpralinen nicht in der normalen Box liegen (23,27€ / kg – Preis bei worldofsweets.de – diese waren nicht bei Kaiser´s verfügbar), sondern im Adventskalender Big Ben. Der macht einiges her, aber selbst bei Rossmann sind für die Pralinen dann ein Kilopreis von 59,41€ fällig, bei Edeka sogar 75,62€. Spitzenreiter in unserem Test war das Kadewe: hier lag der Kilopreis bei 97,19€. Noch luxuriöser geht es dann nur noch bei amazon, wo der billigste Händler „PMI Trading“ 22,98€ plus 0,99€ Versand verlangt: ein Kilopreis von 124,22€ (exkl. Versandkosten) und damit mehr als doppelt so viel wie bei Rossmann. Auch bei den höherpreisigen Adventskalendern, wie bei unseren Spitzenreitern, die bei einem Kilogrammpreis über 100€ liegen, sieht man Aufschläge. Eine Tafel von Le Chocolat des Francais kostet im Online Shop des Herstellers 5,50 bei 100g. Das bedeutet einen Kilopreis von 55€, beim Adventskalender sind es dann schon 149,50€.

    Aber nicht nur Convenience zählt, auch bei Adventskalendern gilt scheinbar das Motto „Sex sells“. Während ein Kalender mit einem klassischen Weihnachtsmotiv von Müller & Müller bei Galeries Lafayette 90 Cent kostet (12€/kg), kostet das Motiv „Sexy Xmas“ von Müller & Müller bei Edeka gleich 2,49€, immerhin ein Kilogrammpreis von 33,20€.

    Wer Adventskalender kauft, bezahlt also auch manchmal relativ gesehen recht viel für die bunte Pappe mit, erkauft sich damit aber auch Zeitersparnis. Wer sparen will, bastelt seinen Adventskalender selber oder kauft sich wiederbefüllbare Adventskalender, z.B. mit kleinen Schubladen. Schokohungrigen empfehlen wir, auf die Rückseite des Kalenders zu schauen, um den Nettoinhalt abzulesen. Denn so mancher Kalender besteht aus mehr Verpackung als Inhalt. Aber wir müssen auch zugeben: Das Auge isst mit. Uns haben nämlich zufälligerweise die beiden teuersten Adventskalender von außen am besten gefallen.

    Eines können wir aber garantieren: egal wie klein oder groß der Kalender ist, egal ob mit oder ohne Schokolade, egal ob gekauft oder selbst gemacht und egal ob für groß oder klein, für Begeisterte oder Adventskalender-Verweigerer: ein Adventskalender ist für 24 Tage, Stück für Stück, jeden Tag ein Stückchen Freude und Wertschätzung für den Beschenkten.

    Detailergebnisse

    Daniel Brückner - 25.11.2016

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