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„Programmatic Advertising“ - das Hintertürchen für die Fakes - 100 deutsche Nachrichtenportale im Test

100 deutsche Nachrichtenportale im Test

Fake Kundentestimonials bei Startups, Fake-Gewinnspiele auf Facebook, Fake-Markenware auf amazon, Fake-Nachrichten, die über Facebook geteilt werden. Fakes sind im Internet Alltag, aber gerade im Nachrichtenbereich ein wachsendes Problem. Fake-Nachrichten dienen aber nicht nur der politischen Propaganda, sondern werden auch von unseriösen und betrügerischen Werbetreibenden als Werbemittel missbraucht, „Content Marketing“ extrem. Eine scheinbar redaktionelle Berichterstattung oder Empfehlung soll Usern den Eindruck vermitteln, sie könnten einem Anbieter oder einem Produkt vertrauen.

Einleitung

Werbung für diese Fake-Nachrichtenseiten findet sich allerdings nicht nur auf kleinen oder unseriösen Webseiten, die Probleme haben, Werbekunden zu finden sondern, auch auf den Werbeflächen etablierter, seriöser Nachrichtenportale. Die Werbetreibenden profitieren dabei wahrscheinlich auch vom Vertrauen, dass die User in die seriösen Nachrichtenseiten setzen. Einer Anzeige auf bekannten deutschen Nachrichtenportalen wird zumindest ein Teil der User mehr vertrauen als auf einer internationalen Plattform, auf der raubkopierte Filme zu sehen sind.

Schließlich wird doch irgendjemand die Werbung oder die Werbeanbieter bei deutschen Nachrichtenseiten prüfen – oder?

Scheinbar wird aber zumindest nicht gut genug geprüft. Da wir in der Vergangenheit mehrmals Werbung für diese Fake-Nachrichtenseiten auch bei seriösen Nachrichtenportalen gesehen haben, wollten wir der Frage nachgehen, wie es eigentlich dazu kommen kann, dass solche Anzeigen zu sehen waren und sind. Ebenso wollten wir zumindest explorativ ein Gefühl dafür bekommen, wie groß das Problem am Markt eigentlich ist.

Deshalb haben wir 100 Nachrichtenportale, bzw. Webseiten mit Nachrichtenbereich auf Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten überprüft.

Das Test-Setup

  • Wir haben 100 deutsche Nachrichtenseiten ausgewählt. Dazu gehören u.a. die Nachrichtenportale mit der laut Statista größten Netto Reichweite im Juli 2016: bild.de, focus.de, spiegel.de, welt.de, n-tv.de, sueddeutsche.de, zeit.de, stern.de, faz.net, rp-online.de, n24.de, huffingtonpost.de, derwesten.de, tagesspiegel.de, handelsblatt.com. Ebenso haben wir Branchennews in die Untersuchung aufgenommen, wie z.B. wuv.de (Werbebranche), gruenderszene.de oder deutsche-startups.de (Startup-Branche), zwei Wetterportale, aber auch Themenportale, die einen Nachrichtenbereich integriert haben. (Siehe detaillierte Liste)
  • Wir haben die Webseiten in 3 Stufen geprüft, um verschiedene Nutzererfahrungen nachzuvollziehen.
    • Stufe 1: Am Laptop mit einem Desktop Browser (Chrome)
    • Stufe 2: wie Stufe 1, aber mit eingeschaltetem Adblocker für den Browser. Manche Verlage versuchen, den Adblocker zu umgehen, indem sie die Werbeanzeigen als Artikelbilder "tarnen". Statt den Werbemitteln des Werbenetzwerkes wird dann die Bilder auf den Verlagsseiten ausgespielt, die auf den Servern der Verlage liegen.
    • Stufe 3: Über ein Smartphone mit einem mobilen Browser (Safari)
    Auf jeder Stufe haben wird jede Nachrichtenseite 5 Minuten nach einer Anzeige für eine Fake-Nachrichtenseite durchsucht. Dies entspricht natürlich einer längeren Besuchszeit eines Lesers, da wir schneller durch die Seiten navigiert sind, mehrere „Tabs“ geöffnet haben und keine Artikel gelesen haben. In Stufe 1 haben wir alle 100 Nachrichtenseiten geprüft, in Stufe 2 und 3 nur die Nachrichtenseiten, bei der wir in Stufe 1 keine Anzeigen für die gefälschten Nachrichtenseiten gefunden haben.
  • Um einfaches Tracking über Cookies, wie z.B. bei vielen „Re-Targeting“ Kampagnen zu verhindern, haben wir nach jedem Besuch einer Fake-Nachrichtenseite alle Cookies im Browser gelöscht. Es gibt natürlich weitere Trackingmöglichkeiten, die User schwieriger verhindern können, hierbei ging es uns aber darum, die Ausspielung der Re-Targeting Werbung zu begrenzen, um nicht nur diese Werbung angezeigt zu bekommen, die aus unserem Besuch der Zielseiten resultiert. Damit wollten wir möglichst viele unterschiedliche Fake-Nachrichtenseiten identifizieren. Im mobilen Browser haben wir ebenfalls nach jedem Besuch Cookies gelöscht und in den Einstellungen des Smartphones und des Browsers das Tracking deaktiviert. Zusätzlich haben wir beim mobilen Surfen noch eine VPN App genutzt, die den User noch stärker anonymisieren soll.
  • Nicht betrachtet wurde also auf welchen von den betrachteten Webseiten Re-Targeting Werbung angezeigt wird, nachdem ein User einmal eine Fake-Nachrichtenseite besucht hat.
  • Wenn wir mehrere Anzeigen für unterschiedliche Fake-Nachrichtenseiten auf einer Webseite gefunden haben, haben wir jeweils nur die erste gefundene Fake Nachrichtenseite in der detaillierten Ergebnisliste dokumentiert.
  • Die Webseiten wurden im Zeitraum von Ende Juni bis Mitte November 2016 besucht.

Die Testkandidaten

100 deutsche Nachrichtenportale, bzw. Webseiten mit Nachrichtenbereich, wie z.B.

  • bild.de
  • focus.de
  • spiegel.de
  • welt.de
  • n-tv.de
  • sueddeutsche.de
  • zeit.de
  • stern.de
  • faz.net
  • rp-online.de
  • n24.de
  • huffingtonpost.de
  • derwesten.de
  • tagesspiegel.de
  • handelsblatt.com

Alle geprüften Webseiten haben wir in der detaillierten Ergebnisliste aufgeführt.

Das Testergebnis - Zusammenfassung

  • Bei 72 von 100 überprüften Webseiten haben wir Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten gefunden. Bei 28 Webseiten war im gegebenen Zeitrahmen keine solche Anzeige zu finden.

    Beispiel-Screenshots finden Sie hier:

    Fake Anzeigen Desktop Screenshots
    Fake Anzeigen Mobile Screenshots

  • Bei den oben aufgeführten 15 größten deutschen Nachrichtenseiten (größte Nettoreichweite laut Statista, Juli 2016) haben wir nur auf einer Seite keine Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten gefunden: n24.de
  • Selbst auf mimikama.at, eine Seite, die über Fakes und Fake-Nachrichten im Internet aufklärt, haben wir die Anzeigen gefunden.
  • Die meisten Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten auf einer Seite haben wir auf news.de entdeckt. Diese Webseite wird von der news.de GmbH aus Leipzig betrieben und gehört laut eigenem Pressebereich zum „UNISTER-Geschäftsbereich Ventures“. Dort finden wir auch die meisten Anzeigen der „Ad Up Technology AG“, die bis letztes Jahr noch unter dem Namen „Unister-Media GmbH“ firmierte. Bis Ende letzten Jahres war, der dieses Jahr verstorbene, Unister-Chef Thomas Wagner Geschäftsführer der Unister Media GmbH.
  • Die Anzeigen wurden über die Adserver folgender Werbenetzwerke auf den Nachrichtenseiten ausgespielt, bzw. über deren Server getracked.
    • 27 Fälle - twiago GmbH, Köln (seit 06/16 ist die Ströer Digital Group GmbH mit 51% der Anteile Mehrheitseigner bei twiago)
    • 19 Fälle - Ligatus GmbH, Köln
    • 8 Fälle - Google Ads (Mountain View, USA bzw. Doubleclick, ein Google Unternehmen (New York, USA)
    • 6 Fälle - Ad Up Technology AG, Hamburg
    • 5 Fälle - plista GmbH, Berlin
    • 4 Fälle - Smart AdServer SAS Paris, Frankreich – deutsche Tochterfirma: SmartAdServer GmbH, Berlin
    • 2 Fälle - AdSpirit GmbH, Berlin
    • 1 Fall - AppNexus Inc, Seattle, USA
    Neben diesen Anbietern haben wir auch Anzeigen gefunden, die über die Server der ADITION technologies AG, Düsseldorf, ausgespielt, bzw. getracked wurden. Diese sind in der detaillierten Liste nicht verzeichnet, weil wir sie nicht als erstes auf einer Seite gesehen haben.
  • Die Anzeigen führten zu einer Vielzahl von verschiedenen Fake-Nachrichtenseiten u.a. auf die folgenden Domains / Subdomains. Teilweise können die Seiten nicht mehr erreicht werden (ggf. durch unsere Anfragen bei den Werbenetzwerken). In einigen Fällen waren die relevanten Seiten nicht über die Hauptdomain zu erreichen, sondern nur über den direkten Link einer einzelnen Seite. (Direkte Links und Belege und Beispiele, dass die Seiten Fake-Nachrichtenseiten sind, haben wir in der detaillierten Ergebnisliste aufgeführt.

    Beispiel-Screenshots der Fake-Nachrichtenseiten finden Sie hier

    • de.megabargain24.com
    • euro-money.net
    • finanz-welt.net
    • flexa-plus-tabletten.com
    • gesundheitsnewsletter.com
    • gesundheit-test.com
    • heute.de.top1spot.com
    • innovativemethode.eu
    • star-news5.com
    • viptalk.co
    • vip-talk.net
    • viralhaunt.com
    • welt.de.top1spot.com
    • www.apotheken-nachrichten.com
    • www.apotheken-news24.com
    • www.beautyglownews.com
    • www.beauty-news-for-you.com
    • www.gesundheitsportal.co
    • www.gvisn.com
    • www.medizinischereporter.com
    Zudem haben wir während unseres Tests auch noch Anzeigen zu weiteren Fake-Seiten gefunden:
    • magische-schonheit.eu
    • de-muskulatur.eu
    • gesundheits-newsletter.com
    • gesundheitsnews.co
    • medizinische-reporter.com
    • lifestyletrendsaktuell.com
    • fit-reporters.com
    • weekend-diet.com-us-m.net
    • sensoduo-ol.eu
    • unternehmerzeitung.com
  • Beispiel der Weiterleitung von der Anzeige zur Zielseite. Das Browser-Addon „Redirect Path“ zeigt, über welche Domains der User geführt wird. Hier wurde der User von einer Werbeanzeige bei wetter.com, über einen Trackinglink von Ligatus, dann über eine weitere Trackingdomain, die zu Ligatus gehört (a97bfa43ce75524ce7f980b1a6e2b0e5.com), dann über eine Domain, die auf den Namen WHOISGUARD, INC., Panama angemeldet ist gelenkt und schließlich zu gesundheit-test.com weitergeleitet.
    Gesundheit-test.com
  • Bei installiertem Adblocker wurden und werden die Werbeanzeigen tlw. als Bild ausgeliefert, diese liegen dann auf den Servern der Nachrichtenseiten, wie z.B. bei stern.de (siehe Bild unten). Stern.de umgeht mit der Einbindung der Bilder auf eigenem Server den Adblocker. Diese Anzeige führt zu http://www.gesundheitsnachrichten.co/de/?t202id=735053&t202kw=ADD&c3=Motiv1&c2=10218f1f90a60f347ab4c82b1cafcc Stern.de
  • Da der Test sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten erstreckte und wir jede Nachrichtenseite maximal 3 mal besucht haben, kann es sein, dass einzelne Seiten nicht mehr betroffen sind, da ggf. Werbung einzelner Werbenetzwerke nicht mehr integriert wird. Gleiches gilt für den umgekehrten Fall, wenn Webseiten neue Werbenetzwerke auf ihrer Seite integriert haben sollten. Ebenso wurden ggf. nach unseren Anfragen an die Werbenetzwerke und die Nachrichtenportale Kampagnen temporär durch Werbenetzwerke gesperrt oder durch die Werbetreibenden pausiert. Weiterhin kann es vorkommen, dass derzeit weniger dieser Werbeanzeigen ausgespielt werden, da der Werbedruck in den Monaten vor Weihnachten auch im Online Bereich ansteigt und die Anzeigen für die Fake-Nachrichtenseiten durch Anzeigen mit höheren Geboten für die Werbeflächen temporär verdrängt werden.

Unsere Empfehlung an die Leser

Leser sollten Produkten oder Dienstleistungen, die über Fake-Nachrichtenseiten beworben werden, nicht vertrauen und so beworbene Produkte oder Dienstleistungen nicht kaufen. Wir bitten die Leser, Fake-Nachrichtenseiten an uns zu melden und uns die URL der Fake-Seite und die Webseite / die Nachrichtenseite, auf der sie die Werbung für diese Fake-Nachrichtenseite gesehen haben, per Email zu nennen: info@testbericht.de Die Fake-Seiten weisen oft ähnliche Merkmale auf, an denen Leser erkennen können, dass es sich um Fälschungen handelt:

  • Es wird ein Produkt oder ein Anbieter empfohlen, in vielen Fällen sind dies Diätmittel, Glücksspielanbieter wie z.B. Anbieter von „binären Optionen“, Faltencremes, Haarwuchsmittel.
  • Andere Nachrichtenbereiche in der Webseitennavigation sind nicht mit anderen Nachrichtenkategorie-Seiten verlinkt, sondern führen ebenfalls zu einer externen Produkt- bzw. Anbieterseite. Teilweise gilt dies aber nur für die Seiten, auf die der User nach Klick auf die Anzeige geleitet wird. Auf der Hauptdomain wird dann eine Webseite betrieben, die wie eine Nachrichtenseite aussieht. Man findet Artikel in verschiedenen Kategorien. Manche Webseiten verlinken allerdings auch auf der beworbenen Seite „ordentlich“ in andere Kategoriebereiche.
  • Social Media Icons sind nicht mit der jeweiligen Facebook oder Twitterseite verlinkt. Oft gibt es gar keine zugehörige Facebookseite, manchmal wird die Anzahl der Fans gefälscht: Auf der Seite medizinischereporter.com wird z.B. behauptet, dass die Seite 2314 Fans hat, auf der Facebook Seite finden sich allerdings nur 104 Fans. Medizinischerreporter
  • Bilder von Reportern oder neben Userkommentaren sind auf vielen anderen Webseiten oder direkt auf den Webseiten von Bilderdatenbanken zu finden. Um dies zu prüfen, können Leser die Bilder mit der Google Bildersuche suchen. Entweder lädt man das betreffende Bild auf seinen Computer herunter und dann wieder bei der Google Bildersuche hoch (auf das Kamera Icon klicken, dann auf den Reiter „Bild hochladen“ klicken, danach auf Datei auswählen) oder man nutzt ein „Addon“ für den Browser von Google für die Bildersuche. Anleitungen für die Google Bildersuche finden sich hier. Ein Beispiel: auf apotheken-nachrichten.com wird behauptet, dass die„Reporterin Jutta-Maria Schuster“ ein Diätmittel untersucht hat (siehe Screenshot unten) Das Foto findet man allerdings recht schnell auf der Bilderdatenbank Fotolia.com, die „Deutsche Apotheker Zeitung“ berichtet über diese Fake-Seite auch in einem Artikel Ende Juli 2016
  • Facebook Kommentare sind nicht in die Seite eingebettet, sondern werden nur als Bild oder Bild-Text Kombination angezeigt. Die Bilder der kommentierenden User sind nicht mit ihren Facebook Profilen verlinkt (was bei echten Kommentaren immer der Fall ist).
  • Schreibt man einen eigenen Kommentar wird dieser zwar sofort als veröffentlicht angezeigt, löscht man die Cookies der Seite oder besucht die Seite in einem zweiten Browser wird der Kommentar nicht angezeigt. Auf seriösen Nachrichtenseiten steht immer ein Hinweis, sollte ein Kommentar erst nach Moderation veröffentlicht werden. (Allerdings wird auch dieser Hinweis auf manchen Fake-Seiten angezeigt)
  • Im Impressum steht eine Firma aus dem Ausland. Oft mit unvollständigen Daten, die nicht der Impressumspflicht genügen. Weitere Informationen über die Impressumspflicht finden Sie hier. Bei vielen Fake-Nachrichtenseiten fehlt die Nennung eines Vertretungsberechtigten.
  • Die Domain stimmt nicht mit dem Namen der Fake Nachrichtenseite überein. Dies war z.B. bei flexa-plus-tabletten.com der Fall, unter dieser Domain wurde die angebliche Nachrichtenseite „Gesundheit Fakten“ angezeigt (siehe Screenshot vom 26.09.2016) Gesundheit Fakter
  • Die meisten dieser Webseiten laufen unter internationalen Domains, nicht .de Domains. Die Domain wird oft über einen „Privacy Service“ gehalten, dies kann man über einen „Whois“ Service herausfinden, wie z.B. http://whois.domaintools.com. Für gesundheit-test.com z.B. wird als Domaininhaber „PrivateName Services Inc.“angegeben. Dieser Serviceanbieter ist allerdings nicht der Domaininhaber, sondern dient nur als Anonymisierungsservice für den eigentlichen Domaininhaber.

Stellungnahmen der Werbenetzwerke bzw. Adserver-Betreiber

Nach dem Test haben wir die 9 oben aufgeführten Unternehmen, über deren Server die Ads gespielt wurden und über deren Trackinglinks die User zu den Fake-Nachrichtenseiten geleitet wurden, um Stellungnahme zum Thema insgesamt und insbesondere zu den über das Netzwerk / den Adserver beworbenen Seiten gebeten. Dabei haben wir den Anbietern die Links zu den Fake-Nachrichtenseiten geschickt.

Keine Reaktion:

  • twiago GmbH, Köln
  • Smart AdServer SAS Paris, Frankreich – deutsche Tochterfirma: SmartAdServer GmbH, Berlin
  • AppNexus Inc, Seattle, USA

Keine offizielle Stellungnahme:

  • ADITION technologies AG, Düsseldorf
  • AdSpirit GmbH, Berlin
  • Google Ads (Mountain View, USA bzw. Doubleclick, ein Google Unternehmen (New York, USA) – der Pressesprecher von Google Deutschland schrieb, „dass man grundsätzlich keine Stellung zu einzelnen Werbetreibenden und Adsense Partnern beziehe“, und verwies auf die Werberichtlinien von Google. „Werde man auf Richtlinienverstöße aufmerksam, ergreife man Maßnahmen, die bis hinzur dauerhaften Sperrung führen können.“
  • Ad Up Technology AG, Hamburg – das „Team von Ad Up Technology“ schrieb uns, dass man „vorläufig keinen Grund zur inhaltlichen Stellungnahme sähe.“

Stellungnahmen:

plista GmbH, Berlin:

Vielen lieben Dank für Ihre Anfrage. Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir keine Informationen zu Firmen und Agenturen sowie zu laufenden Kampagne an Dritte herausgeben. Weitere Informationen dazu finden Sie in unseren AGBs. Wir sind stets um die Qualität und Optimierung unserer Produkte bemüht und kennzeichnen unsere Anzeigen deutlich. Dazu gehört auch die ausgewiesene Benennungen sämtlicher Anzeigenverlinkungen.

Ligatus GmbH, Köln:

Für ein gültiges Impressum müssen Angaben zum Namen und Sitz des Unternehmens gemacht werden. Dieses ist in den jeweiligen Impressen enthalten. Wir prüfen also immer ob das Impressum vorhanden ist.

Bevor eine Kampagne live geht, wird diese von uns alle Kampagnen juristisch geprüft und bei Zweifeln lassen wir uns die Unbedenklichkeit vom Kunden bestätigen. Die Nutzung der Marken, Bilder und Kommentare werden vor Kampagnenstart abgefragt.

Die o.g. Kampagnen werden von uns nicht gestoppt, weil alle über ein gültiges Impressum verfügen und nach unserer und der Aussage der Kunden juristisch unbedenklich sind."

Nach Anfrage bei stern.de wird uns noch ein weiterer Kommentar von Patrick Schwanecke, Geschäftsführer bei Ligatus durch die Pressestelle von Gruner und Jahr übermittelt. Ligatus gehört ebenso wie stern.de zu Gruner und Jahr.

„Ligatus nimmt seine Verantwortung gegenüber den Nutzern und seinen Werbekunden sehr ernst. Jedoch ist Ligatus grundsätzlich nicht für die Inhalte von Kampagnen und dahinterliegenden Landing Pages verantwortlich. Diese Verantwortung obliegt dem Werbekunden, der die Kampagnen in eigener Verantwortung gestaltet.

Als technischer Dienstleister prüft Ligatus die Kampagnen vor Ausspielung auf die Einhaltung inhaltlicher und juristischer Mindestanforderungen. Ferner geht Ligatus Hinweisen auf Rechtsverstöße stets nach. Bei Vorliegen entsprechender Verstöße lehnt Ligatus eine Kampagne ab oder stoppt sogar laufende Kampagnen und weist den Werbekunden darauf hin.

Um es noch einmal deutlich zu machen: Als technischer Dienstleister für Werbekunden liefert Ligatus monatlich mehrere Tausend Kampagnen über sein internationales Netzwerk aus. Seine Teams arbeiten kontinuierlich daran, Kampagnen zu unterbinden, die nicht den notwendigen Standards entsprechen. Aber: Ligatus ist grundsätzlich nicht für die Inhalte der Kampagne verantwortlich. Diese Verantwortung obliegt dem Werbekunden.

Kommentare der Nachrichtenseiten und Verlage

Im Anschluss an den Test haben wir die Chefredakteure bzw. Leiter der Online Redaktion einiger Nachrichtenseiten um einen Kommentar gebeten und folgende Antworten erhalten:

Mathias Müller von Blumencron – Chefredakteur faz.net

Unserem Vermarkter war diese Anzeige aus dem Twiago-Netzwerk auch schon aufgefallen. Seit Mitte Oktober sollte die URL für eine Bewerbung auf unseren Seiten gesperrt sein.

Johannes Vogel – Geschäftsführer Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH

Wir bzw. unser Vermarkter treiben einen nicht geringen Aufwand, solche Werbekunden, welche über entsprechende Netzwerke immer wieder versuchen, auch Anzeigen auf unserer Site zu schalten, rechtzeitig und schnell auf die Blacklist zu setzen um damit zu verhindern, dass eine Anzeigenschaltung gelingt.

Dies ist jedoch ein Katz- und Mausspiel und lässt sich nicht immer zu 100 % vermeiden. So auch in diesem von Ihnen vorgelegten Fall, welchen wir noch versuchen, genau nachzuvollziehen.

Jedem Hinweis wird jedoch sofort nachgegangen und entsprechend die Blacklist erweitert.

Björn Schmidt - Leiter Unternehmenskommunikation, DuMont Mediengruppe (bzgl. express.de)

Auch wir wissen um solche Fälle, die aber in unseren Augen die Ausnahme darstellen. Mit den großen Vermarktern, an der Spitze der Marktführer Ströer, haben wir eindeutige Verträge, die regeln, welche Werbung, welche Inhalte stehen dürfen und welche nicht. Diese Unternehmen legen ohnehin größten Wert auf ein seriöses Ausspielen, weil sie sich Fehltritte nicht leisten können.

In Zeiten des „Realtimebidding“ und von „programmatic buying“ lassen sich die angesprochenen Ausnahmefälle minimieren, aber nicht vollkommen ausschließen. Heutzutage liegen zwischen Schaltung und Ausspielung Zeiträume von unter einer Sekunde. Für diese Fälle sind unsere Seitenverantwortlichen gerüstet und greifen unverzüglich ein, wenn es erforderlich ist. Zudem müssen wir auch unterscheiden zwischen klaren Verstößen, die juristisch zu ahnden sind und „Geschmackssachen“ und ethische Verletzungen. Hier gibt es im Vorfeld Leitlinien, wie wir mit solchen Fällen umgehen können. Noch einmal: gänzlich ausschließen lassen sich solche Fälle nicht – diese unglücklichen Fälle hat es aber auch schon im Zeitungsgeschäft gegeben.

Bettina Klauser - Pressesprecherin / Leiterin Kommunikation n-tv

Alle Werbemittel, die von uns oder unseren Werbepartnern ausgeliefert werden, müssen unserem hohen Qualitätsanspruch entsprechen. Erfüllen sie diese Voraussetzung nicht, werden sie umgehend von uns geblockt beziehungsweise gar nicht erst ausgeliefert. Das gilt beispielsweise für Werbemittel, die zu Fake-Newssites verlinken. Deshalb schließen wir alle Kampagnen aus IAB-Channeln und Kategorien wie etwa ‚Schnell reich werden‘, ‚Klingeltöne und Downloads‘, ‚Religion‘ oder ‚Sex und Sexualität‘ grundsätzlich aus. Intern werden täglich stichprobenartig Kontrollen durchgeführt. Außerdem achten wir bei der Wahl unserer Partner darauf, dass sie hinsichtlich Transparenz, Sicherheit und Qualität die gleichen Standards verfolgen.

Trotz dieser Maßnahmen können in Einzelfällen durch eine gezielte Umgehung unserer Sicherungsmechanismen kurzfristig solche Werbemittel ausgeliefert werden.

André Pätzold, Leiter SPIEGEL QC

Wir danken Ihnen für den Hinweis auf die entsprechende Anzeige und die dahinterliegende Website. Der Schutz unserer Leserinnen und Leser vor betrügerischen Webseiten ist uns sehr wichtig. Wir gehen daher Hinweisen auf eventuellen Missbrauchstets gemeinsam mit dem ausliefernden Werbenetzwerk nach. Im vorliegenden Fall haben wir die Anzeige mit dem Werbenetzwerk überprüft und sie aufgrund eines Verstoßes gegen formale Kriterien gestoppt.

Grundsätzlich obliegt die Prüfung von Kampagnen, die auf externe Websites führen, dem technischen Dienstleister. Dieser überprüft die entsprechende Kampagne auf juristische Unbedenklichkeit und stoppt sie bei Verstößen gegen geltendes Recht. Die Verantwortung für die Inhalte einer Werbekampagne – vergleichbar mit Werbung im Print- und TV-Umfeld – liegt hingegen beim Werbekunden.

Martin Lütgenau - Geschäftsführer BurdaForward Advertising (bzgl. huffingtonpost.de)

Wir wählen unsere Partner handverlesen aus und schalten diese dann über unsere Inventar-Zugänge frei. Dabei schließen wir bestimmte Werbekunden oder Kategorien aus und geben unseren Partnern klare Qualitätsvorgaben. Wir verlassen uns darauf, dass unsere Partner diese festgelegten Standards einhalten. In diesem Fall hat unser Partner dies leider nicht getan, hier wird nun nachgebessert, damit so etwas nicht mehr passieren wird. Leider muss man aber sagen, dass die Kategorisierung von Werbekunden und die Blacklisting-Pflege sich oftmals nur manuell bearbeiten lässt und dadurch generell heute noch sehr fehleranfällig ist.

Sabine Grüngreiff, Leiterin Markenkommunikation / PR/Kommunikation NEWS, Gruner+Jahr:

Wir danken Ihnen für den Hinweis auf die entsprechende Anzeige und die dahinterliegende Website. In der Tat ist uns der Schutz unserer Leserinnen und Leser vor betrügerischen Webseiten sehr wichtig. Wir gehen daher Hinweisen auf eventuellen Missbrauch stets gemeinsam mit dem ausliefernden Werbenetzwerk nach. In dem von Ihnen übermittelten Fall haben wir die Anzeige mit dem ausliefernden Werbenetzwerk überprüft und sie aufgrund des Verstoßes gegen formale Kriterien gestoppt.

Nach Veröffentlichung des Testberichts erreichte uns noch folgende Stellungnahme:

mimikama.at - Ein Teammitglied

Wir kennen das Problem leider nur zu gut. Gerade uns. als Aufklärungsplattform, ist der Schutz unserer User / Nutzer / Leser sehr sehr wichtig. Wir selbst pflegen diese Werbungen nicht direkt ein. Das Problem das wir haben ist, dass wir immer erst im Nachhinein reagieren können. Also ab dem Moment wo wir oder unsere User solche Werbungen sehen und uns darüber informieren. Und dies funktioniert in unserer Community sehr rasch. Sobald wir das wissen, wird sofort reagiert

Sprich, die URL und alle dazugehörigen Werbeformen werden entweder bei Adsense oder Plista sofort blockiert. Bei Adsense können wir selbst das sofort machen! Bei Plista senden wir einen Hinweis per E-Mail und dann dauert es nur wenige Minuten und diese ominösen Werbungen sind sofort gesperrt und blockiert.

Die Verantwortung liegt hier nicht bei uns, sondern bei jenem Werbenetzwerk, welches die Werbetags zur Verfügung stellt. Sprich, Google & CO müssen im Vorfeld solche Werbung prüfen, bevor sie "durchgelassen" werden.

Klar ist es aber auch, dass wir generell darüber froh wären, wenn solche Werbung nicht durchgelassen werden. Klar ist auch, dass wir generell von dem Thema: "Werbebanner" abkommen möchten. Jedoch können wir diese nicht abschaffen bzw. entfernen, denn wir haben für unsere Tätigkeit keinerlei Einnahmen. Wir sind kein Verlag, wir sind kein Printmedium usw., welches ZUSÄTZLICH EINNAHMEN generiert.

Stichprobentest nach den Stellungnahmen

Die Ad Up Technology AG, ein Unternehmen im „Unister Unternehmensnetzwerk“ sieht „vorläufig keinen Grund zur Stellungnahme“, derweil sind bei news.de, betrieben durch eine andere Firma im „Unister-Netzwerk“, weiterhin mehr Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten zu sehen als bei jeder anderen Seite. Hat der User einen Adblocker installiert und angeschaltet, sind fast nur solche Anzeigen zu sehen. Alle diese Anzeigen, die wir gesehen haben, laufen über die Server der Ad Up Technology AG.

Die adspirit GmbH verweist auf den Kontakt zum „Vermarkter / das Netzwerk“, den wir dann auf einem recht dürftigen Impressum auf einer Unterseite auf adspirit.de entdecken: http://quadriga.adspirit.de/imprint.php: „Development Ltd Quadriga“, gemeint ist scheinbar die „Quadriga Development Ltd.“. Hier schließt sich der Kreis. Für deren Produkte wiederum wirbt apotheken-nachrichten.com, das laut Impressum von der Firma ABC Food Systems Ltd. aus Ägypten betrieben wird. Verantwortlich ist also laut adspirit als Vermarkter / Netzwerk die Firma für deren Produkte in betrügerischer Weise durch apotheken-nachrichten.com geworben wird. Zusätzlicher Schönheitsfehler bei apotheken-nachrichten.com: Die im Impressum genannte Webseite abcfoodsystems.com ist nicht mehr registriert. Zumindest bis wir sie zu Demonstrationszwecken registriert haben.

2 Wochen, nachdem wir die Seiten unter heute.de.top1spot.com und welt.de.top1spot.com an Google gemeldet hatten, konnten wir weiterhin Werbung für Fake Nachrichtenseiten auf top1spot.com sehen, unter anderem bei stern.de, diesmal für eine Seite, auf der das ZDF und heute Logo missbraucht werden (siehe Bild unten: Screenshot im Safari Browser, aufgenommen am 07.11.2016). Der offensichtliche Missbrauch des Logos von welt, N24 und heute.de scheint bei Google noch kein Grund dafür zu sein, den Anbieter, bzw. die Domain top1spot.com im Netzwerk komplett zu sperren.

Spiegel.de Mobil

Ligatus, ein deutscher Anbieter der zu Gruner und Jahr, einem der größten deutschen Verlage gehört, teilt uns mit: „Da wir alle Kampagnen prüfen, sperren wir im Einzelfall Kampagnen und nicht Advertiser.“ Bei den von uns gemeldeten Seiten, die eindeutig durch zahlreiche und schwerwiegende Irreführungen als Fake-Nachrichtenseiten zu erkennen sind, antwortet man uns, dass die Seiten „nach unserer und der Aussage der Kunden juristisch unbedenklich sind.“

Bei den Seiten, die wir an Ligatus gemeldet hatten, ging es um (siehe auch Detailergebnisse)

  • http://winstmethode.org/de_de1/
  • http://gesundheit-test.com/05_2/
  • http://www.gesundheitsportal.co/desk/index21-safe.php
  • http://winstmethode.org/de_de2/
  • http://euro-money.net/edition-de/Mit-Gold-reich-werden/exklusiv-ao.php
  • http://star-news5.com/ein-promi-packt-aus-ao.php
  • http://finanz-welt.net/wirtschaft-brexit-news-2/
  • http://de.megabargain24.com/mein-iphone-6/
  • http://gesundheit-test.com/09/

Unsere Nachfrage, welche juristische Ausbildung die bei ligatus prüfende Person hat, blieb unbeantwortet, „man gebe über die Berufausbildung ihrer Mitarbeiter keine Auskünfte“.

Über Ligatus läuft weiter irreführende Werbung für Fake-Nachrichtenseiten, hier auf mopo.de, der Online-Nachrichtenseite der Hamburger Morgenpost, die zum Dumont Verlag gehört. Der Tracking Link von Ligatus

https://r.ligatus.com/?z=iW_1JjVdMf8ZBoCfvCuNhjWfUM-MA3Jwc8H59z-a8RfgLWGKyhcuWbqBOPgLKP8hAFCRBL--fainUSTry59133P-Gl1THk3DhJvPTcMCwT4COUVIB5BykAuBdTxKuAQtkphdO7Hh6Kn7gvp-qUbBEn2WdGi47QHsgUiMEtRwag..&d=1478723890074

führt zu

http://winstmethode.org/de_de2/

Auf focus.de läuft ebenfalls Werbung über Ligatus für eine Fake-Nachrichtenseite. Der Trackinglink

http://r.ligatus.com/?z=J4S9AzyfvXW408R4p1GzkfgwjpkWfgBPNJxJPA5ghDXLZu1DpYtP_OIaNWWnL7hy382yhRVY_oSpdDx23qiMN8gsgLpgowK8QtujjECEWL-uqYnDsv110juCsD3Vesj7oyhEYDdDFL-7Sxk4tc9da4Kg-DaCXW-ViUhRPfO_9w..

führte zu

http://de.megabargain24.com/mein-iphone-7/?KW=DSPDLIT&CAMP=A114W&sxid=87qjv2w664u6

Focus.de iPhone

Focus Weiterleitung

Gleiches ist bei ad-hoc-news.de zu sehen.

Und auch bei stern.de ist die Werbung über Ligatus weiterhin geschaltet. Die Anzeige oben mitte rechts „Experten schockiert“ führt über einen Ligatus-Link

http://r.ligatus.com/?z=ilPIby_7N5uaOUTWgdqHTsVutn57R9G7oWkJEHJR5IY1X86JV66RAAPW0urDKLepDf5JjDVibYAkqIKlaD0ZGEEqLxGI6t0IFYHLZ98gHjYwAYRAgCRrnHp730SXr6CYJ1-kuVmz90qAp_8nLJGVBngh0w07ou1BI63AKdP09Q..

zu

http://de.megabargain24.com/mein-iphone-7/?KW=DSPDLIT&CAMP=A363X&sxid=758oai880wu6

Stern.de Online

André Pätzold, Leiter SPIEGEL QC, schreibt: „Alle Werbemittel, die von uns oder unseren Werbepartnern ausgeliefert werden, müssen unserem hohen Qualitätsanspruch entsprechen. Fakt ist allerdings, dass auch nach dieser Stellungnahme die Werbemittel für Fake Nachrichtenseiten selbst von spiegel.de Servern weiterhin ausgeliefert werden.

Spiegel Online

Plista schrieb uns: „Wir sind stets um die Qualität und Optimierung unserer Produkte bemüht und kennzeichnen unsere Anzeigen deutlich.“ Innerhalb von 30 Sekunden haben wir allerdings auf donaukurier.de eine Anzeige (siehe Bild unten, „Eilmeldung“) für eine Fake-Nachrichtenseite unter http://viptalk.co/AD_FRE4/ gefunden. Eine Domain die wir vor mehr als 3 Wochen an plista gemeldet haben.

Donau Kurier Online

Ebenso gemeldet hatten wir eine Seite unter der Domain finanz-welt.net, auch dafür finden wir nach einer weiteren Minute eine Anzeige auf donaukurier.de, die zu dieser Seite auf der Webseite finanz-welt.net führt.

Finanzwelt

Fazit und Kommentar

Die Existenz von Anzeigen für Fake-Nachrichtenseiten ist selbst auf seriösen Nachrichtenportalen eher die Regel als die Ausnahme. Anzeigen auf den Webseiten werden heutzutage automatisch verkauft, „Programmatic Advertising“ ist hier das Stichwort. Durch die Automatisierung des Verkaufs von Werbeflächen und die hohe Vernetzung der einzelnen Werbenetzwerke ist der Werbemarkt für die Verlage scheinbar unüberschaubar geworden. Dem Missbrauch ist damit Tür und Tor geöffnet.

Manche Verlage sind scheinbar nicht länger in der Lage, wirksam zu kontrollieren oder kontrollieren zu lassen, welche Unternehmen auf ihren Webseiten Werbung schalten und wie seriös diese Unternehmen sind. So gelangen auch in erheblichem Umfang irreführende und betrügerische Werbeanzeigen auf ansonsten seriöse Nachrichtenportale.

Die Netzwerkbetreiber selber richten den Finger auf die werbenden Unternehmen, reagieren auf Hinweise nur recht zögerlich, wenn überhaupt. Die Werbetreibenden selber scheinen durch die Netzwerke keine schnellen und wirksamen Strafmaßnahmen zu befürchten zu haben. Wie auch die Netzwerke nicht durch die Verlage.

So resultieren aus einer Mischung aus Unübersichtlichkeit durch automatischen Verkauf der Online-Werbeflächen, Umsatzdruck, fehlender Kontrolle, fehlendem Kontrollwillen und Leugnung der Fake-Nachrichtenseiten durch Netzwerkbetreiber und ihre Spitzenmanager digitale Nachrichtenökosysteme, die durchzogen sind von Anzeigen für betrügerische Fake-Nachrichtenseiten.

Ob dies langfristig den Marken der betroffenen Zeitungsverlage hilft, darf bezweifelt werden. Die Grundwährung im seriösen Nachrichtengeschäft heißt Vertrauen. Und das wird nicht nur durch Nachrichten bestimmt, sondern auch durch andere Webseitenelemente, wie auch Werbeanzeigen für betrügerische Fake-Nachrichtenseiten.

Detaillierte Liste

Daniel Brückner - 17.11.2016

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