Öko-Test - 43 Stille Mineralwasser Testsieger
43 Stille Mineralwasser im Test-Vergleich von Öko-Test
In diesem Vergleich wurden getestet:
07/2025 - Öko-Test
Inhaltsverzeichnis
- Wie rein ist stilles Mineralwasser wirklich?
- Was genau wurde getestet?
- Welche Schadstoffe wurden besonders kritisch bewertet?
- Welche Rolle spielt Trifluoressigsäure?
- Wie sieht es mit der mikrobiologischen Reinheit aus?
- Welche Produkte schnitten gut ab?
- Welche Rolle spielt die Verpackung?
- Wie sinnvoll ist Mineralwasser im Vergleich zu Leitungswasser?
- Was sagt der Test zur Säuglingseignung?
- Wie bewerten ÖKO-TEST und c’t das Gesamtergebnis?
- Fazit: Welches Wasser kann man bedenkenlos trinken?
Wie rein ist stilles Mineralwasser wirklich?
Natürliches Mineralwasser gilt als eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland. Es stammt aus unterirdischen, vor Verunreinigung geschützten Quellen und muss direkt an der Quelle abgefüllt werden – ein Versprechen, das Reinheit und Sicherheit suggeriert. Doch der große Test der Zeitschrift „ÖKO-TEST“ (Ausgabe 7/2025) zeigt: Nicht jedes stille Mineralwasser hält dieses Versprechen uneingeschränkt ein. In der Untersuchung von 53 stillen Mineralwässern aus ganz Deutschland – darunter auch Bio-Produkte und Wässer, die für Säuglinge geeignet sein sollen – wurden erhebliche Belastungen mit Schwermetallen, Keimen und sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ (PFAS) festgestellt.
Was genau wurde getestet?
Die Redaktion von ÖKO-TEST hat 53 stille Mineralwässer im Labor analysieren lassen. Getestet wurden unter anderem:
- Schwermetalle wie Chrom(VI) und Arsen
- Nitrat, insbesondere in Wässern, die für Säuglinge geeignet sein sollen
- Keimzahlen, also mikrobiologische Verunreinigungen
- PFAS, speziell die langlebige Trifluoressigsäure (TFA)
- Pestizid-Abbauprodukte und Süßstoffe, die auf menschliche Einflüsse hindeuten
- Zudem flossen Kriterien wie Verpackung, Umweltaspekte und Verbraucherinformationen mit in die Gesamtbewertung ein.
Welche Schadstoffe wurden besonders kritisch bewertet?
In elf Mineralwässern wurde Chrom(VI) nachgewiesen – ein als krebserregend eingestuftes Schwermetall. Besonders auffällig waren hier Produkte wie Thüringer Waldquell Still und Emsland Quelle Naturelle, die mit „stark erhöhten“ Werten abgestraft wurden. Auch Arsen, ein weiteres giftiges Halbmetall, wurde in zwei Produkten in bedenklichen Mengen gefunden. Zwar lagen die Werte unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte, doch eine dauerhafte Aufnahme kann gesundheitlich riskant sein – insbesondere bei Produkten, die als besonders rein beworben werden.
Hinzu kommen Nitratbelastungen: Das bekannte Markenwasser Volvic fiel durch einen hohen Nitratgehalt auf, der mehr als die Hälfte des Grenzwertes für Mineralwasser zur Säuglingsernährung ausschöpfte. Für ein Produkt, das speziell für diesen sensiblen Anwendungsbereich ausgelobt ist, ein kritischer Befund.
Welche Rolle spielt Trifluoressigsäure?
Die sogenannte Trifluoressigsäure (TFA) wurde in nahezu allen getesteten Wässern nachgewiesen. Sie gehört zu den PFAS, jenen chemischen Verbindungen, die wegen ihrer extremen Langlebigkeit auch als „Ewigkeitschemikalien“ bekannt sind. TFA ist sehr mobil im Wasserkreislauf und wurde bereits in Böden, Regen und Grundwasser nachgewiesen. ÖKO-TEST orientierte sich bei der Bewertung an einem EU-Leitwert für Trinkwasser, der spätestens 2026 bindend werden soll. In sieben Produkten wurde dieser bereits überschritten – obwohl es aktuell noch keine spezifischen Grenzwerte für Mineralwasser gibt.
Wie sieht es mit der mikrobiologischen Reinheit aus?
Auch in puncto Keimbelastung gab es Auffälligkeiten. Zwei Mineralwässer – darunter das Bio Kristall Still – überschritten die zulässigen Gesamtkeimzahlen deutlich. Zwar gelten die gesetzlichen Grenzwerte nur für Wasserproben innerhalb von zwölf Stunden nach der Abfüllung, doch aus Verbrauchersicht darf ein solches Qualitätsproblem nicht einfach hingenommen werden. Besonders bei einem Bio-Wasser, das mit Natürlichkeit und Sicherheit wirbt, ist eine mikrobiologische Verunreinigung ein gravierender Mangel.
Welche Produkte schnitten gut ab?
Die gute Nachricht: Mehr als die Hälfte der getesteten Wässer erhielt die Note „sehr gut“ – darunter viele regionale Anbieter, Bio-Mineralwässer und auch Produkte aus dem Discountersegment. Beispiele sind:
- Carolinen Naturelle
- Vilsa Naturelle
- Adelholzener Naturell
- Saskia (Lidl) und Quellbrunn (Aldi) – beide für nur 19 Cent pro Liter
- Globus Natürliches Mineralwasser Still
- Gerolsteiner Naturell, trotz leicht erhöhter Schadstoffe, insgesamt mit „befriedigend“
Auffällig: Auch günstige Eigenmarken schnitten oft genauso gut oder sogar besser ab als teure Markenprodukte.
Welche Rolle spielt die Verpackung?
Glas-Mehrwegflaschen gelten als umweltfreundlicher, weil sie mehrfach verwendet werden können. Trotzdem setzen viele Hersteller weiterhin auf Einwegflaschen aus PET, insbesondere im Discountbereich. Die EU schreibt künftig einen Mindestanteil an Rezyklat (recyceltem Kunststoff) vor: 30 Prozent bis 2030, 65 Prozent bis 2040. Einige Anbieter erfüllen diesen Wert schon heute – etwa Lidl und Penny mit 100 Prozent PCR-Anteil. Andere hingegen bleiben darunter oder machen keine genauen Angaben.
Wie sinnvoll ist Mineralwasser im Vergleich zu Leitungswasser?
Leitungswasser kostet in Deutschland durchschnittlich 0,3 bis 0,5 Cent pro Liter – ein Bruchteil dessen, was für Mineralwasser bezahlt wird. Viele stille Wässer im Test kosten das 10- bis 20-Fache. Dabei ist Leitungswasser hierzulande ebenso streng kontrolliert und in vielen Regionen sogar mineralstoffreicher als so manches abgefüllte Produkt. Der ökologische Fußabdruck von Leitungswasser ist außerdem deutlich geringer – keine Verpackung, kein Transport, keine Lagerung im Supermarkt.
Was sagt der Test zur Säuglingseignung?
Besonders strenge Anforderungen gelten für Wässer, die zur Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet sind. Sie müssen sehr geringe Mengen an Nitrat, Fluorid und anderen Inhaltsstoffen enthalten. Einige Produkte – wie Rhön Sprudel Naturell – erfüllen diese Anforderungen zwar formal, enthalten aber so viel Fluorid, dass laut Gesundheitsrichtlinien keine zusätzlichen Fluoridpräparate gegeben werden sollten. Ein entsprechender Hinweis auf dem Etikett fehlte jedoch – aus Sicht von ÖKO-TEST ein gravierender Mangel.
Wie bewerten ÖKO-TEST und c’t das Gesamtergebnis?
ÖKO-TEST spricht von einem „überraschend durchwachsenen Bild“: Viele Mineralwässer sind bedenkenlos zu empfehlen – aber es gibt eben auch zahlreiche Produkte, die wegen Schadstoffen, Keimen oder irreführender Etikettierung abgewertet wurden. Besonders kritisch sieht das Magazin die Tatsache, dass selbst hochpreisige Marken oder Bioprodukte mit Problemen wie Chrom(VI) oder Arsen auffallen. Die Redaktion der c’t weist in ihrem Kommentar zum Test auf die große Diskrepanz zwischen Werbung und Realität hin: „Natürlich rein“ und „aus der Tiefe der Natur“ – das klingt gut, wird aber nicht immer durch Laboranalysen gedeckt.
Fazit: Welches Wasser kann man bedenkenlos trinken?
Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu einem der „sehr gut“ bewerteten stillen Mineralwässer, vorzugsweise aus der Region und in Glas-Mehrwegflasche. Dabei muss es nicht teuer sein – viele günstige Discountermarken haben bewiesen, dass Qualität nicht vom Preis abhängt. Ebenso eine Option: Leitungswasser. Es ist nicht nur umweltfreundlich, sondern in Deutschland nahezu flächendeckend von hoher Qualität.
Wer den Geschmack von stillem Wasser schätzt und auf Schadstoffe verzichten möchte, hat also mehr als eine gute Wahl – sollte aber bei Bio- und Premiumprodukten nicht automatisch von makelloser Qualität ausgehen. Der aktuelle Test von ÖKO-TEST belegt eindrucksvoll, warum sich ein kritischer Blick auf Etikett, Verpackung und Testergebnisse lohnt.