Öko-Test - 9 Kräutertees für Babys Testsieger
9 Kräutertees für Babys im Test-Vergleich von Öko-Test
In diesem Vergleich wurden getestet:
04/2025 - Öko-Test
Inhaltsverzeichnis
Warum sind Babytees ein Thema für Ökotest?
Das Magazin wollte herausfinden, wie sicher Babytees heute wirklich sind – vor allem solche mit Fenchel. Die Untersuchung zeigt, dass sich viele Eltern noch immer auf Kräutertees verlassen, um ihren Babys bei Bauchschmerzen oder Unruhe zu helfen. Doch gerade Fencheltee steht seit einiger Zeit in der Kritik: Er enthält den pflanzlichen Inhaltsstoff Estragol, der im Verdacht steht, das Erbgut zu schädigen und Krebs auszulösen.
Ökotest hat neun verschiedene Babytees analysieren lassen, darunter viele mit Fenchel, und geprüft, ob Hersteller auf die Warnungen der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) aus dem Jahr 2023 reagiert haben. Das Ergebnis zeigt: Die Problematik ist noch lange nicht vom Tisch.
Ist Fencheltee wirklich gefährlich für Babys?
Die Diskussion um Fencheltee ist keine reine Panikmache. Die EMA hat klare Empfehlungen ausgesprochen: Babys, Kleinkinder und auch Schwangere und Stillende gelten als besonders sensible Gruppen, bei denen die Aufnahme von Estragol so niedrig wie möglich gehalten werden sollte. Für Säuglinge wurde ein strenger Orientierungswert festgelegt – basierend auf einem Körpergewicht von 8 Kilogramm und einer Trinkmenge von 100 Millilitern pro Tag.
Ökotest fand in drei der getesteten Tees Estragolgehalte, die diesen Wert überschreiten: Babylove Bio Fenchel Tee, Dr. Kottas Bio-Baby-Tee und Sidroga Bio Kinder-Fencheltee. In den übrigen sechs Tees war zwar ebenfalls Estragol nachweisbar, aber in geringeren Mengen. Das Problem: Der Gehalt an Estragol schwankt in Naturprodukten stark – Eltern können also nie sicher sein, wie viel ihr Baby tatsächlich aufnimmt. Deshalb fordern Experten wie Kinderarzt Jakob Maske: Babytees mit Fenchel gehören nicht in den Handel.
Was ist mit anderen Inhaltsstoffen in Babytees?
Neben Estragol gibt es weitere kritische Punkte. Zwei Produkte, Dr. Kottas Bio-Baby-Tee und Holle Bio Baby-Tee, enthielten Pyrrolizidinalkaloide (PA) – Pflanzengifte, die aus Beikräutern stammen und leberschädigend wirken können. Zwar lagen die Werte unterhalb gesetzlicher Grenzwerte, doch Ökotest kritisiert, dass gerade in Produkten für Babys solche Stoffe nichts zu suchen haben.
Auch Pestizide wurden in drei Tees gefunden – darunter das Insektizid Chlorpyrifos, das als erbgutschädigend und bienenschädlich gilt. Besonders kritisch: Im Sidroga Bio Kinder-Fencheltee schöpften die Rückstände von Chlorpyrifos den gesetzlichen Höchstwert für Fenchelsamen zu mehr als der Hälfte aus.
Ein weiteres Problem: Gluten. Obwohl fünf Hersteller ihre Tees als „glutenfrei“ ausloben, enthielt ein Produkt, Dr. Kottas Bio-Baby-Tee, mehr Gluten, als laut EU-Verordnung erlaubt ist. Für Zöliakie-Betroffene kann das ein ernstes Risiko darstellen.
Ist Fencheltee für Babys überhaupt sinnvoll?
Viele Experten sagen: Nein. Fencheltee hat keinen nachgewiesenen Nutzen für Babys, weder bei Blähungen noch für die Milchbildung bei stillenden Müttern. Kinderärzte und Hebammen raten stattdessen, auf Stillen oder altersgerechte Flaschennahrung zu setzen. Tee sollte frühestens ab dem Beikostalter angeboten werden – und dann in Maßen. Für die ersten Lebensmonate gilt: Keine Tees, auch keinen Fencheltee, sondern Muttermilch oder Säuglingsnahrung.
Luise Nowak, Bundesbeauftragte für Stillen und Ernährung beim Deutschen Hebammenverband, bringt es auf den Punkt: „Fencheltee ist ein kalorienarmer Lückenfüller, der Babys keine Nährstoffe bringt – und unter Umständen schadet.“ Auch Kinderarzt Jakob Maske empfiehlt: „Fencheltee weglassen – Sie verpassen nichts.“
Was bedeutet der Test für Eltern?
Eltern, die ihren Babys Tee anbieten wollen, sollten genau hinsehen – oder besser noch: ganz auf Babytees verzichten, vor allem auf fenchelhaltige Produkte. Ökotest betont, dass gerade bei sensiblen Gruppen wie Babys ein konsequenter Schutz vor Schadstoffen wie Estragol und Pyrrolizidinalkaloiden nötig ist. Solange es keine klaren Grenzwerte für Lebensmittel gibt, bleibt die Empfehlung eindeutig: Vorsicht bei Fencheltee – und lieber auf bewährte Flüssigkeiten wie Wasser oder Milch setzen.
Ökotest fordert die Hersteller auf, Verantwortung zu übernehmen und problematische Inhaltsstoffe konsequent zu vermeiden – und die Politik, endlich verbindliche Grenzwerte für Estragol in Lebensmitteln festzulegen.