Öko-Test - 18 Antischimmelfarben Testsieger

18 Antischimmelfarben im Test-Vergleich von Öko-Test

Öko-Test

03/2025 - Öko-Test

Helfen schimmelhemmende Farben wirklich gegen Schimmel?

Schimmel in der Wohnung ist mehr als ein optisches Ärgernis. Er kann zu ernsthaften gesundheitlichen Beschwerden führen – von Atemwegsproblemen bis zu allergischen Reaktionen. Deshalb liegt es nahe, ihn so schnell wie möglich loszuwerden. Der Griff zu schimmelhemmenden Farben scheint da für viele naheliegend. Doch wie wirksam – und wie unbedenklich – sind diese Produkte wirklich? ÖKO-TEST hat in seiner Ausgabe 03/2025 genau das überprüft und 18 sogenannte Antischimmelfarben getestet. Die Ergebnisse fallen deutlich aus – und nicht im positiven Sinne.

Was versprechen Antischimmelfarben?

Die als „Bad-“, „Küchen-“ oder „Feuchtraumfarbe“ deklarierten Anstriche enthalten meist spezielle biozide Wirkstoffe, die das Wachstum von Schimmel auf der gestrichenen Fläche verhindern sollen. In der Praxis bedeutet das: Der Schimmel wird oberflächlich bekämpft, nicht aber die eigentliche Ursache wie Feuchtigkeit, schlechte Dämmung oder mangelnde Belüftung. Laut ÖKO-TEST ist das ein grundlegendes Problem: Schimmel einfach zu überstreichen, beseitigt ihn nicht – es kann im Gegenteil sogar neue Gesundheitsrisiken schaffen.

Welche Inhaltsstoffe wurden gefunden?

Im Labor fanden sich in fast allen Produkten bedenkliche Substanzen. Besonders problematisch ist Zinkpyrithion, das in zwölf der getesteten Farben enthalten war. Die Substanz gilt in der EU als fortpflanzungsgefährdend und ist in Kosmetika seit 2021 verboten. Auch das Herbizid Terbutryn, das in einem Produkt nachgewiesen wurde, ist wegen seiner hormonähnlichen Wirkung und möglicher Leberschäden kritisch zu sehen. Beide Stoffe wurden von ÖKO-TEST deutlich abgewertet.

Darüber hinaus enthielten viele Farben weitere biozide Konservierungsmittel wie Isothiazolinone (z. B. BIT, MIT, CIT), die als stark allergieauslösend gelten. Sie kommen oft nicht nur als schimmelhemmende Zusätze zum Einsatz, sondern auch als sogenannte Topfkonservierer – also Schutzmittel, damit die Farbe im Eimer nicht verdirbt. Problematisch ist dabei vor allem, dass viele dieser Stoffe über die Raumluft aufgenommen werden können, insbesondere bei Abrieb oder während des Trocknens.

Sind die Farben wirklich lösemittelfrei?

Ein weiteres zentrales Ergebnis des Tests betrifft die Deklaration der Farben. Einige Anbieter warben mit dem Begriff „lösemittelfrei“, obwohl im Labor ein erhöhter Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gemessen wurde – bei drei Produkten sogar oberhalb des Grenzwerts für diese Angabe. VOCs wie Formaldehyd oder andere Reizstoffe können die Schleimhäute belasten, Kopfschmerzen auslösen und das Wohlbefinden beeinträchtigen. Für Menschen mit Allergien, Kinder oder Personen mit Atemwegserkrankungen sind solche Emissionen besonders relevant.

Wie fällt das Gesamturteil von ÖKO-TEST aus?

Die Bewertung ist eindeutig: Keine der getesteten Farben konnte uneingeschränkt überzeugen. Nur ein einziges Produkt schnitt mit einem akzeptablen Gesamturteil ab. Der Großteil der getesteten Anstriche wurde mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ bewertet. Grund waren in fast allen Fällen problematische Inhaltsstoffe, fehlerhafte Deklarationen oder unnötige Gesundheitsrisiken.

Laut ÖKO-TEST sind Farben mit bioziden Zusätzen nicht nur ökologisch fragwürdig, sondern auch in der Wirkung oft überschätzt. Biozide Wirkstoffe sind flüchtig – ihre Wirkung lässt mit der Zeit nach, ohne dass die Ursachen für Schimmelbildung behoben wurden. Das Umweltbundesamt rät deshalb grundsätzlich von solchen Produkten für Innenräume ab.

Gibt es bessere Alternativen?

Ja – sie erfordern allerdings etwas mehr Aufwand. Mineralfarben, insbesondere Kalk- oder Silikatfarben, gelten als ökologische Alternative. Sie wirken schimmelhemmend durch ihren hohen pH-Wert, kommen ohne biozide Zusätze aus und sind diffusionsoffen, was einen Feuchtigkeitsaustausch an der Wandoberfläche erlaubt. Damit entziehen sie Schimmelsporen die Lebensgrundlage.

Allerdings sind diese Farben nicht ganz unkompliziert in der Anwendung. Sie sind in der Regel teurer, nicht abriebfest und müssen regelmäßig erneuert werden – vor allem in feuchten Räumen wie dem Bad. Trotzdem empfiehlt ÖKO-TEST, bei der Wahl der Wandfarbe genau abzuwägen und wenn möglich auf biozidfreie Alternativen zu setzen.

Was rät ÖKO-TEST bei Schimmelbefall?

Schimmel sollte nicht einfach übermalt, sondern gründlich entfernt werden. Wichtig ist, die Ursache zu erkennen und zu beheben – sei es durch besseres Lüften, eine verbesserte Wärmedämmung oder die Beseitigung von Feuchtigkeitsschäden. Bei größeren oder wiederkehrenden Befallsstellen sollte immer ein Fachmann hinzugezogen werden. Auch Vermieter sind in der Pflicht, bauliche Mängel zu beseitigen, die zu Schimmel führen.

ÖKO-TEST macht deutlich: Die Anwendung von Antischimmelfarben ist allenfalls eine temporäre kosmetische Maßnahme – sie ersetzt keine nachhaltige Lösung. Wer Schimmel effektiv vermeiden will, muss an der Wurzel ansetzen und das Raumklima sowie die baulichen Gegebenheiten im Blick behalten.

Was bleibt vom Test?

Der Test von ÖKO-TEST bringt ein klares Urteil: Wandfarben mit schimmelhemmender Wirkung sind kein Ersatz für eine sachgerechte Schimmelbekämpfung. Sie versprechen schnelle Hilfe, liefern aber oft neue Risiken – sei es durch allergene Konservierungsstoffe, giftige Biozide oder VOC-Emissionen. Die Empfehlung lautet deshalb: Ursachen beheben statt Symptome überstreichen.

Die Untersuchung zeigt auch, wie wichtig Transparenz bei Inhaltsstoffen und Kennzeichnung ist. Viele der getesteten Produkte hielten die versprochenen Eigenschaften nicht ein oder deklarierten problematische Substanzen nur unvollständig. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten deshalb nicht nur auf die Wirkung achten, sondern auch auf potenzielle Nebenwirkungen – für ihre Gesundheit und die Umwelt.